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In den USA gilt Über­gewicht als Todes­risiko Nummer 1 – noch vor dem Rauchen. Doch die Front der Diät­apostel wackelt. Die neu­esten Zahlen der Stati­stiker zeigen: Auf die Art des Dickseins kommt es an.

„Ein Body-Mass-Index von mehr als 25 ist ungesund, von mehr als 30 lebensgefährlich.“ So lautete über Jahre die einhellige Botschaft von Ärzten und Ernährungsexperten. Die WHO sah eine Epidemie der Dicken auf uns zukommen. Niemand wunderte sich, dass trotz wachsendem Übergewicht die Lebens­erwartung seit Jahren weiter steigt.

In den letzten Monaten haben neue Studien das Bild gekippt. Mehrere deutsche Universitäten untersuchten über 11 000 Personen und fanden heraus: Aus dem BMI lassen sich keine Vorhersagen über die Sterblichkeit ableiten, außer bei sehr hohen Werten (35 und mehr). Auch über künftige Herzinfarkte oder Schlaganfälle sagt der BMI nichts. Viel wichtiger ist das Verhältnis des Bauchumfangs zur Körpergröße.

US-Forscher aus Atlanta untersuchten die Todesursachen von über 14 000 Menschen, die an Maßnahmen der Krebsvorbeugung teilgenommen hatten. Das erstaunliche Ergebnis war: Am gefährlichsten lebten normalgewichtige Frauen mit dickem Bauch. Schon seit einigen Jahren untersuchen Forscher, warum Speckrollen am Bauch gefährlicher sind als Hüftgold und dicke Oberschenkel. Bauchfett setzt Signalstoffe frei, die das Insulin bremsen. Der Blutzucker wird nicht mehr ausreichend abgebaut. Das Risiko für Diabetes und weitere Zivilisations­krankheiten wächst.

Bei Männern gilt ein Taillen­umfang bis 94 Zenti­metern als gesund. Bei Frauen liegt die Grenze bei 80 Zentimetern. Ab 88 Zentimetern wird es für Frauen gefährlich, bei Männern ab 102 Zentimetern. Teilt man Taillen­umfang durch Hüftumfang, sollte das Ergebnis bei Frauen unter 0,85 liegen, bei Männern unter 1. Diese Zahlen sind nicht neu, wurden aber bislang als weniger wichtig als der BMI behandelt. Jetzt kehrt sich die Reihenfolge um.

Doch was soll der Gesundheitsbewusste tun? Leichtes Übergewicht haben und trotzdem eine schlanke Taille? Ist das überhaupt möglich? Oder lassen es die Gene nur bei einigen von uns zu?

Nicht Radikaldiät, sondern Bewegung lautet die Antwort. Die meisten von uns essen nur deshalb zuviel, weil sie sich zuwenig bewegen. Nicht die Kalorienaufnahme ist zu hoch, sondern der Kalorienverbrauch zu gering. Dabei geht es nicht um sportliche Höchstleistungen. Wer zum Beispiel mit Bus oder Bahn zur Arbeit fährt statt mit dem eigenen Auto, wiegt laut einer aktuellen Studie im Schnitt drei Kilo weniger. Schon allein der Fußweg zur Haltestelle bringt auf Dauer einen messbaren Schlankeffekt.

Bewegung zu Fuß vertreibt zuerst die Speckfalten am Bauch. Selbst dann, wenn die Waage keine Gewichtsabnahme zeigt. Fett wird durch Muskelmasse ersetzt, und Muskeln sind schwerer als Fett. Deshalb lieber den Umfang der Taille nachmessen. Er verringert sich, bevor die Waage weniger Kilo anzeigt. Nicht die Kalorienersparnis, sondern die Bewegungsmenge sorgt für die optimale Figur.

Aber sind nicht vielleicht doch die Gene schuld, warum einige dick werden und andere nicht? Eine Studie an Teenagern in neun Ländern Europas verriet: In der Tat tragen 63 Prozent von uns ein Gen in sich, das Übergewicht begünstigt. Regelmäßige Bewegung hebt diesen Unterschied jedoch auf. Nur bei Stuben­hockern können Gene zuviel Fett an den falschen Stellen begünstigen. Die Stati­stiken der Alters­forscher ergaben außerdem: Dicke, die Sport treiben, haben eine höhere Lebens­erwartung als schlanke Couchpotatoes.

Unser Buchtipp:
Udo Pollmer: Eßt endlich normal! Das Anti-Diät-Buch. Serie Piper, € 7,95

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Veröffentlicht im Oktober 2010 © by www.berlinx.de

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