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Depressiv, Null Bock, dauernd müde? Nicht immer sind Mißerfolge oder eine seelische Krise schuld. Es kann auch eine organische Krankheit vorliegen. Eine der häufigsten Ursachen: eine Fehlfunktion der Schilddrüse – nach US-Studien bei jedem vierten depressiven Patient. 

Die Symptome sind oft so unklar, daß die wahre Ursache nicht erkannt wird: fehlender Appetit, Müdigkeit, Frösteln – wer würde da nicht zuerst auf eine heraufziehende Erkältung tippen statt auf eine Unterfunktion der Schilddrüse. Eine Überfunktion zeigt die gegenteiligen Symptome: Unruhe, dauernde Aktivität, beschleunigter Herzschlag, Schweißausbrüche und – man isst mit gutem Appetit und wird trotzdem immer dünner. Falls Sie Übergewicht haben: beneiden Sie bitte nicht die Betroffenen! Das Wohlbefinden leidet unter dem Dauerstreß erheblich; außerdem treten bei jedem Dritten die Augäpfel hervor, so wie bei dem bekannten Komiker Marty Feldman, bei vielen bildet sich ein Kropf.

Die Schilddrüse hat die Form eines Schmetterlings, liegt unterhalb des Kehlkopfes und umschließt mit einem Mittel- und zwei Seitenlappen die Luftröhre. Sie produziert zwei Hormone, die die Geschwindigkeit des Stoffwechsels regeln: das Trijodthyronin und das Thyroxin. (Ein drittes Hormon, das Kalzitonin, ist an der körpereigenen Nutzung der Mineralien Phosphat und Kalzium beteiligt.) Der Hypothalamus – die Hirnanhangdrüse – paßt auf, ob die Schilddrüse genug Hormone produziert. Ist das nicht der Fall, befiehlt sie der Schilddrüse, ihre Produktion zu steigern. Um das zu schaffen, vergrößert sie sich, bis sie schließlich am Hals als Verdickung sichtbar wird. Es bildet sich ein Kropf.

Durch diesen Mechanismus kann sich sowohl bei Unterfunktion wie Überfunktion ein Kropf bilden. Bei Unterfunktion, um den Mangel auszugleichen, bei Überfunktion durch die Überproduktion, die eine Folge des vergrößerten Organs ist. Schluckbeschwerden und Halsverdickung, ohne daß der Rachenraum gerötet ist, sind ein Alarmzeichen für eine Kropfbildung!

Halten die oben genannten Symptome länger an, sollte eine Blutuntersuchung vorgenommen werden. Sie zeigt, ob die Hormonproduktion im Normbereich liegt oder nicht. Eine Unterfunktion ist leicht zu behandeln. Die fehlenden Hormone, vor allem Thyroxin, werden künstlich zugeführt. Ursache der Unterfunktion ist Jodmangel. Jodatome sind ein notwendiger chemischer Bestandteil der beiden erstgenannten Schilddrüsenhormone.

Die meisten von uns nehmen höchstens die Hälfte der benötigten Jodmenge zu sich. Die benötigte Menge liegt bei etwa 0,2 Milligramm am Tag. Dabei würde eine Portion Seefisch pro Woche reichen, um den Bedarf zu decken. Da Meeresfische ein Hauptlieferant von Jod sind, ist der Kropf als Folge der Unterfunktion in Bayern mehrfach häufiger als an der Nordseeküste. Jod findet sich außerdem in vielen Mineralwässern und jodiertem Speisesalz.

Jodmangel ist bei Frauen bis zu achtmal häufiger als bei Männern, vermutlich weil Männer einen Teil des Jodbedarfes unbeabsichtigt durch alkoholische Getränke decken. Gefährlich ist der Jodmangel für Frauen in der Schwangerschaft. Die Wahrscheinlichkeit, daß sich ein Kropf entwickelt, ist in dieser Zeit höher. Außerdem gefährdet der Jodmangel das Kind. Es treten Mißbildungen der Knochen und des Nervensystems auf, sogenannter Kretinismus. Um dem vorzubeugen, werden in Vorsorgeuntersuchungen die Menge von Schilddrüsenhormonen im Blut des Kindes bestimmt.

Eine Überfunktion ist seltener. Sie läßt sich im Regelfall ebenfalls mit Medikamenten behandeln. Die bekannteste Form der Überfunktion ist die Basedowsche Krankheit, gekennzeichnet durch Hyperaktivität und das Hervortreten der Augäpfel. Sie ist eine Autoimmunerkrankung. Die innere Regulation der Körperfunktionen ist gestört. Bei komplizierten Fällen reichen Medikamente, die die Produktion der Hormone drosseln, nicht aus. Dann muß bestrahlt oder gar operiert werden – vor allem dann, wenn der Kropf so groß geworden ist, daß er die Luftröhre einengt und so die Atmung behindert.

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