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Warum Frauen so oft unzufrieden mit sich sind

Nur wenige Sekunden gesehen und schon gewußt: das ist der Partner fürs Leben? Was in romantischen Filmen die Herzen höher schlagen läßt, ist im Alltag meist zum Scheitern verurteilt. Die Fachleute haben längst nachgewiesen: Viel größere Chancen hat die Liebe, die langsam zwischen vertrauten Bekannten entsteht.
Erschütternde Ereignisse und seelische Schocks hat fast jeder in seinem Leben durchgemacht – Männer wie Frauen. Ob jemand schwarz sieht oder im Innersten eine unerschütterliche Fröhlichkeit bewahrt, hängt aber weniger von der Art der tatsächlichen Erlebnisse ab, sondern davon, wie er sie seelisch verarbeitet. Jeder kennt Leute, die trotz wiederholter Schicksalschläge Mut und Zuversicht bewahrt haben – sowie Zeitgenossen, die bereits am Jammern sind, wenn die beste Freundin eine Woche nicht angerufen hat.
 
Frauen sollen und wollen zunehmend ein Leben führen, wie es vor einigen Jahrzehnten ausschließlich Männern vorbehalten war. Sie sind aber durch ihre Erziehung nur unzureichend darauf vorbereitet worden. Viele träumen heimlich von einer blendenden Laufbahn als erfolgreiche Karrierefrau und zugleich von einem Märchenprinzen, der sie vor dem Unbill der Welt beschützt. Die Folge: Sie geben zu schnell auf, jammern, wenn etwas nicht klappt, reagieren auf Schwierigkeiten mit Depressionen, Rachegedanken, Angst oder stopfen Beruhigungsmittel in sich hinein. (Medikamentenmißbrauch kommt überwiegend bei Frauen vor.) Sie igeln sich in einer Opferrolle ein, statt aktive Schritte zur Veränderung zu unternehmen.
 
Dagegen helfen Selbstberkenntnis und entschlossene praktische Veränderungen. Erfolgreiche Frauen halten sich nicht mit Klagen über ungünstige Umstände auf, sondern sehen sie als zu bewältigende Herausforderungen an.
 
Folgende Psycho-Fallen hindern Frauen am häufigsten, über den eigenen Schatten zu springen:
 
Das Dornröschen-Syndrom: Sie ist als Single tüchtig, hat ihr Leben im Griff, alle Welt lobt sie als starke, unabhängige Frau. Niemand weiß, daß ihr die Decke auf den Kopf fällt, sobald sie zu Haus die Tür hinter sich zu macht. Denn eigentlich wartet sie auf den Mann, der sie aus der Karriere-Hektik erlöst. Sie redet sich und ihren Freundinnen ein, daß sie auch im Falle einer Heirat niemals ihren Beruf vernachlässigen wird. Aber wenn da einer käme, der sie wachküßt, der ihr Wohlstand, Haus und eine gesicherte Position als Gattin einer wichtigen Führungskraft zu Füßen legt … Folglich sieht sie ihr jetziges Leben nicht als Erfüllung, sondern als Notbehelf an, und wartet auf den Tag, da endlich der Ersehnte durch die Dornenhecke steigt.
 
Das Schneewittchen-Syndrom: Eigentlich – das ist völlig klar – kommt es ja auf die inneren Werte an, dennoch quält sie sich mit Diäten, prüft täglich ihre Oberschenkel auf Anzeichen von Orangenhaut, kauft jede Neuankündigung der Kosmetikindustrie, die angeblich mühelos makellose Schönheit garantiert. Die Überzeugung, daß eine Frau nur soviel wert ist wie ihre Schönheit, hält trotz aller vernünftiger Gegenargumente unausrottbar ihr Innerstes gefangen. Sie erinnert sich an das Kindermärchen: wer tausend Mal schöner ist als die schöne Königin, wird zwar beneidet, bedroht und erfolgt, aber auch geliebt und am Ende erlöst. Bis dahin muß sie aber leiden. Äußerlich, indem sie sich für die perfekte Schönheit abquält, innerlich, weil sie sie nie erreichen wird. Manchmal behauptet sie trotzig, sie pfeife auf jeden, der sie nach ihrem Äußeren beurteile, aber sofort hebt sich ihre Laune, wenn man ihr ein Kompliment für ihre schlanke Linie oder ihre tolle Frisur macht.
 
Das Aschenputtel-Syndrom: „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.“ Dieser schiefe Kinderreim hat keine Chance gegen die verinnerlichte Überzeugung, daß eine kluge Frau sich nicht in den Vordergrund schiebt, sondern aus der Deckung ihre Fäden zieht. Daß Frauen oft jahrelang auf unteren Karrierepositionen verkümmern, hat auch damit zu tun, daß sie es vermeiden, ausdrücklich auf ihre Qualitäten aufmerksam zu machen. Weitaus häufiger als Männer bauen sie darauf, daß ihre Vorgesetzten selbst entdecken werden, welche Perle unerkannt in ihrer Nähe schuftet. Aber überlegen Sie selbst: Würden Sie als Chef eine so tüchtige Kraft aus Ihrer Abteilung wegloben? Wer Karriere macht, ist auch manchmal unbequem und sorgt dafür, daß sich seine Qualitäten auch außerhalb seiner Abteilung herumsprechen. Vor allem nimmt er nicht hin, daß der Chef sich ständig mit Leistungen brüstet, die er nicht selbst vollbracht hat.
 
Das Superweib-Syndrom: Beruf, Haushalt, Kinder, Mann, alles will sie perfekt managen. Jedes kleine Mißgeschick ist eine mittlere Katastrophe und löst grundlegende Selbstzweifel aus. Nach außen hin freilich wirkt sie jederzeit vollkommen. Niemand weiß, daß sie die Fassade nur unter Mühen aufrechterhält. Hinter jeder Unvollkommenheit des Lebens lauert der Auslöser einer tiefen Depression. Hier hilft nur eins: Die Meßlatte deutlich tiefer hängen. Prioritäten setzen: Ein, zwei Dinge sind wirklich wichtig, alles übrige darf auch mal vernachlässigt werden. Fehler sind grundsätzlich erlaubt. Sie sind kein Vergehen, sondern eine Chance dazu­zulernen.
 
Das Kassandra-Syndrom: Kassandra, die Tochter des trojanischen Königs Priamos, konnte zukünftige Katastrophen voraussehen, aber niemand glaubte ihr. Moderne Frauen versuchen, ihre Gesprächspartner durch stundenlange Diskussionen von ihrer negativen Weltsicht zu überzeugen. Tausende Beziehungen sind schon auf diese Weise zerredet worden, wo es sinnvoller gewesen wäre, einige entschlossene Veränderungen im Alltag durchzusetzen. In der Tat machen sich viele Frauen mit Schwarzsehen und eklatantem Mangel an Humor das Leben schwer. Im Innersten wissen sie es selbst: deswegen haben Männer mit Humor, die sie unverkrampft zum Lachen bringen können, beste Chancen bei ihnen. Wie in dem Märchen von der goldenen Gans. Die Prinzessin konnte nicht lachen. Erst als der Dummling mit der goldenen Gans, an der eine Menschenschar festgeklebt war, auftauchte, brach sie in Gelächter aus. Prompt erhielt er sie zur Frau und das halbe Königreich dazu.
 
Das Caritas-Syndrom: Anderen beistehen, durch Anteilnahme Anerkennung und Dankbarkeit erlangen – das Bild von der sich aufopfernden Krankenschwester prägte das Frauenideal vieler Jahrhunderte. Die Folge: Die Frauen opferten sich für die Bedürfnisse anderer auf und vergaßen sich selbst. Mütter lebten nur für ihre Kinder, damit sie es einmal besser haben sollten. Die lebten wieder für ihre Kinder … unsere Generation sollte es endlich schaffen, für sich selbst zu leben! Wer anderen seine Hilfsbereitschaft aufdrängt, wird bald feststellen, daß seine Anteilnahme lästig fällt. Beleidigter Rückzug und Schimpfen über den Undank findet man vor allem bei älteren Frauen, die hoffen, mit Selbstlosigkeit eine Versicherungspolice gegen ein einsames Alter zu erwerben. Genau das Gegenteil ist richtig. Nur wer sich mit einer gesunden Portion Egoismus ein eigenes, erfülltes Dasein aufbaut, wird sich nicht verlassen fühlen.
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