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faultierLiegt der Hang zur Bequemlichkeit in unseren Genen?

Wir Deutschen gelten als besonders arbeitswütig. Ist es also eine Frage der Kultur, ob ein Mensch als Faulpelz oder als Streber durch das Leben geht?

Ein Habenichts liegt faul in der Sonne.
„Geh arbeiten“, ruft ein Passant, „dann kannst du dir eines Tages ein Haus mit grüner Wiese und Swimmingpool leisten.“
„Was habe ich davon?“ fragt der Faulpelz.
„Dann kannst du dich von deinen Arbeitsjahren erholen und faul in der Sonne liegen.“
„Das tue ich jetzt schon.“

Südeuropäern sagt man den Hang zum Müßig­gang nach. Wir geben dieser Mentalität sogar die Schuld an den Finanz­problemen der Griechen, Italiener, Portugiesen und Spanier. Doch auch wir träumen vom bequemen Leben. Vom großen Lotto­gewinn, vom Erbonkel aus Amerika oder einem Job, der soviel Geld einbringt, das wir ihn bald an den Nagel hängen dürfen.

Einen Unterschied gibt es allerdings: In den ärmeren Ländern des Südens genießt so mancher das süße Nichtstun sofort – „dolce far niente“ nennt es der Italiener. Wir dagegen glauben, es uns erst durch harte Arbeit verdienen zu müssen. Deshalb ackert so mancher bis zum finalen Besuch des Sensenmannes. Die Erben dürfen dann seinen ange­sammelten Reichtum genießen.

Das Verhältnis von Arbeit und Faulheit ist paradox. Wir Menschen erfanden die Technik, um uns das Leben leichter zu machen. Sobald wir das Ziel erreichten, ackerten wir noch mehr, um uns das Leben noch leichter zu machen. Ein Ende des Wettlaufs ist nicht abzusehen.

Die Mehrheit von uns bevorzugt in der Freizeit das bequeme Leben. Wir sitzen vor dem Fernseher, haben Futter und Getränke in Reichweite, während still und heimlich die Fettschicht um die Hüften wächst. Eine Minderheit von etwa zwanzig Prozent treibt jedoch intensiv Sport – zum Beispiel, um die angefutterten Pfunde wieder loszuwerden. Aber auch sie entkommen der Bequem­lichkeits­falle nicht.

Unsere angeborene Koordinations­fähigkeit sogt dafür, dass wir uns so energie­sparend wie möglich bewegen. Das zeigte kürzlich eine kanadische Studie. Die Forscher statteten Läufer mit einer Apparatur aus, die sie bei den normalen Bewegungs­abläufen behinderten. Sie stellten fest, dass der Körper immer auf die Variante auswich, die die wenigsten Anstrengungen erforderte und die wenigsten Kalorien verbrauchte.

Deswegen braucht ein Jogger ungefähr eine Stunde Dauerlauf, bis er den Kalorien­wert einer Tafel Schokolade verbrannt hat. Eine Stunde Schweiß, um eine Minutensünde auszugleichen! Die Fähigkeit zur bequemsten Bewegung steckt in den Genen. Wir koordinieren dabei intuitiv einige Tausend kleinster Muskeleinheiten gleichzeitig. Das bewusste, lernende Nachdenken wäre damit weit überfordert.

Quelle der Studie:
http://www.cell.com/current-biology/abstract/S0960-9822(15)00958-6

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veröffentlicht im Oktober 2015 © by www.berlinx.de

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