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Rauhbein Jack Nicholson sagte von sich: „Frauen wollen Wölfe. Ich bin einer.” Heiner Lauterbach behauptete vor einigen Jahren: „Treu bin ich nur dem 1.FC Köln.” Warren Beatty, so erzählt der Hollywood-Klatsch, soll in einer Drehpause eine seiner vielen Groupies angerufen und gesagt haben: „Darling, zieh dich schon mal aus, ich habe nur zehn Minuten.”

Der knallharte Macho erregt längst nicht mehr nur Bewunderung und Neid. Wer öffentlich mit seinen Eroberungen prahlt und sich selbst für seine Heldentaten Beifall klatscht, stößt heutzutage eher auf Mitleid oder Gelächter. Seinem Gegenpol, dem schmusesanften Softie, geht es nicht besser. Nach einer kurzen Blütezeit Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger werden zur Zeit die letzten Vertreter seiner Art unter der wenig schmeichelhaften Bezeichnung „Weichei” ausrangiert. Wer versucht, die Frauen seiner Umgebung an weiblichen Tugenden noch zu übertreffen, gilt zwar als nett und ungefährlich, vor allem aber als unverbesserlicher Langweiler.

Kein Wunder, daß so mancher Mann entnervt das Handtuch warf. Wissen die Frauen nicht, was sie wollen? Wer kennt nicht die Klage: „Sagst du, wo es lang geht, schimpfen sie dich Macho, versuchst du, es ihnen recht zu machen, nennen sie dich Weichei!” Wer so redet, hat das Entscheidende nicht begriffen. Frauen mögen keine Männer, die ihre Persönlichkeit aufgeben, um sich in ein Rollenklischee drängen zu lassen. Wer den harten Typen markiert, beweist genauso wenig Originalität wie Meister Weichherz. Dem einen mangelt es an Einfühlungsvermögen, dem anderen an innerer Stärke.

Nicht zu tough, nicht zu weich, sondern straight – ein Ideal, das nur wenigen vom Schicksal Begünstigten offensteht? Mitnichten. Gesucht wird nämlich kein neuer Einheitstyp, sondern Individualität. Der „Straightie” zeichnet sich dadurch aus, daß er zu seiner Einzigartigkeit steht. Er verbirgt seine Ecken und Kanten nicht. Er versucht nicht, „normal” zu sein und unauffällig in der Masse zu verschwinden. Er steht zu den Besonderheiten seines Charakters und weicht Konflikten nicht aus. Aber er meistert sie mit Sensibilität.

Es wird höchste Zeit umzudenken. Denn der Aufstand der Frauen gegen das traditionelle, männlich dominierte Establishment zeigt Erfolge. Auch wenn die obersten Führungsetagen in Wirtschaft und Politik weiterhin von Männern besetzt sind: Frauen sind auf dem Vormarsch. Jede Führungsposition, die eine Frau übernahm, mußte von einem Mann geräumt werden. Da Frauen im Durchschnitt über mehr Teamgeist und soziale Kompetenz verfügten – ein Erbe ihrer jahrhundertelangen Tätigkeit als Erzieherin und Managerin des Familienfriedens –, konnten sie dem poltrigen Autoritätsgehabe ihres Vorgängers ein mindestens ebenso erfolgreiches partnerschaftliches Miteinander nachfolgen lassen. Selbstsichere Frauen bewiesen durch ihr praktisches Beispiel, daß eine Kombination männlicher und weiblicher Tugenden einer rücksichtslosen Ellenbogenmentalität haushoch überlegen ist.

Bleibt den Männern nur die Wahl zwischen resigniertem Rückzug und der zähen Verteidigung übriggebliebener Bastionen? Militante Frauenrechtlerinnen und männliche Repräsentanten der Softie-Bewegung wie der Psychotherapeut Wilfried Wieck verlangten von den Männern Reue und Buße für die Sünden ihrer Vorväter bei der Unterdrückung der Frauen. Nur nach einem längeren Prozeß innerer Selbstreinigung und dem wechselseitigen Beichten aller jemals geäußerten Machtansprüche in Männergruppen wäre eine vorsichtige Rückkehr ins öffentliche Leben erlaubt. Zur großen Überraschung aller Beteiligten wurden die so Geläuterten eher verachtet und bemitleidet statt für ihre Selbstaufgabe bewundert. Wer seine Männlichkeit ganz aufgab, hatte die Zeichen der Zeit falsch verstanden. Nicht das Ende der Männlichkeit, sondern eine prickelnde Kreuzung aus neu und alt, aus männlichen und weiblichen Werten ist das Ziel.

Das betrifft auch das Äußere. Unter Männern gilt es immer noch als Makel, die eigene Wirkung gezielt zu planen. Frauen wird ohne weiteres zugestanden, daß sie mit Make-up, Lippenstift und Eye-Liner ihrem Teint den Eindruck von Frische und ihren Gesichtszügen Konturen verleihen. Eine New Yorker Umfrage ergab, daß sogar 83 Prozent der überzeugten Feministinnen ganz selbstverständlich täglich ein Make-up auflegen. Männer dürfen bestenfalls zum Aftershave greifen. Da haben sie die Ausrede, daß sie ihre Rasur damit abrunden – eine rein männliche Hygienemaßnahme – obwohl das Aftershave nichts weiter ist als ein Duftwasser, ein Parfüm. In den letzten zehn, fünfzehn Jahren ist zwar die Kosmetik für Männer auf dem Vormarsch, aber nur eine kleine Minderheit der Männer wendet diese Produkte regelmäßig an. Noch geringer ist die Zahl derer, die es auch zugeben würden. Während Frauen nichts dabei finden, ihre Erfahrungen mit bestimmten Cremes, Gesichtswasser und Maniküre auszutauschen, ist dieses Thema unter Männern weitgehend tabu. Und daß, obwohl die von ihnen bewunderten Kinohelden nie ohne Make-up, Farbberatung und individuell gestylte Kleidung vor eine Kamera treten würden.

Die Wirkung eines angenehmen Äußeren – bei Männern und Frauen – wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen (mehr dazu in unserem zweiten Beitrag über Körpersprache in der nächsten Ausgabe von EGONet). Um die inneren Werte eines Menschen zu entdecken, müssen wir erst einmal mit ihm in Kontakt treten. Und das tun wir nur dann, wenn sein Äußeres Vertrauen und Sympathie ausstrahlt. Die Entscheidung, ob unser Gegenüber vertrauenswürdig ist, treffen wir in den ersten dreißig Sekunden – und zwar allein aufgrund von Äußerlichkeiten. Wer uns in dieser kurzen Zeitspanne nicht überzeugt, wird nie die Gelegenheit erhalten, uns an seinen inneren Werten teilhaben zu lassen. Wahre Schönheit mag von innen kommen, bleibt aber unentdeckt, wenn das Äußere uns nicht neugierig macht.

Der Neue Mann versteckt sich nicht mehr hinter seiner sozialen Position, seinen Aufgaben oder irgendwelchen Vorschriften, um sich durchzusetzen, sondern vertraut der Wirkung seiner Persönlichkeit. Er liebt es sich darzustellen. Er möchte seine Wirkung sich selbst verdanken und nicht einer fremden Autorität, die ihm seine Position in der sozialen Hierarchie verleiht. Was gibt es Spannenderes als die Entdeckung der eigenen Individualität und der Reaktionen, die man mit ihr in der Umwelt auslöst? Er findet Genuß an sich selbst und seiner Selbstdarstellung. Welch ein interessantes Feld für die Entfaltung der eigenen Kreativität!

Das oberste Ziel besteht darin, die persönlichen Stärken zu fördern – und die liegen bei jedem auf einem anderen Gebiet. Manchmal genügen schon kleine Veränderungen, um aus einem unauffälligen Durchschnittstyp ein interessantes Original zu machen. Aber auch größere Schwierigkeiten lassen sich bewältigen, wenn der Mann sich realistische Ziele steckt und sich ihnen schrittweise nähert. Das Verbessern der eigenen Wirkung soll keine Arbeit, sondern ein Vergnügen sein. Und das stellt sich unter Garantie ein, wenn man Schritt für Schritt mehr Beachtung und Sympathie findet. Wenn einem ein unerwartetes Lächeln entgegenstrahlt. Wenn selbst langjährige Bekannte einem mit neu erwachtem Interesse entgegentreten.

Unser Lesetip:

René Koch / Frank Naumann: Mann, bist du schön! Was uns attraktiv, erfolgreich und begehrenswert macht. Verlag Gesundheit Berlin 1998. DM 39,90.ISBN 3 333 01021 6

Mit konkreter Anleitung wie jeder Mann seine individuellen Stärken entdecken und entwickeln kann und zahlreichen Tips aus den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Fitneß, Kosmetik, Kleidung, Ausstrahlung, Kommunikation und Sexualität.

PRESSESTIMMEN:

Ideale Lektüre für alle Männer, die wissen wollen, wie sie rundherum mehr aus sich machen können.

Berliner Morgenpost
Tiefschürfend, aber immer unterhaltend … charmanter Ratgeber …

Diplomatisches Magazin
Ein probates Praxis-Buch für den „neuen Mann”.

Von der Redaktion EGONet empfohlen als ideales Weihnachtsgeschenk für Männer jeden Alters.

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