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Im Herbst 2000, als der deutsche Aktienindex DAX noch auf rund 7000 Punkte stand, berichteten wir zweimal über psychologische Fallen beim Spiel um Aktiengewinne. Die nachfolgende Entwicklung hat unsere damaligen Thesen bestätigt. Heute verraten wir Ihnen, wie Sie vom Auf und Ab an der Börse profitieren – ohne ein späteres böses Erwachen.

Wenn die Börsenzukunft unvorhersagbar ist – gibt es dann überhaupt eine Möglichkeit, sich vor unangenehmen Überraschungen zu schützen? Ohne Geld einzubüßen, wenn es schlecht läuft? Die Bankexperten haben auf diese Frage meist so allgemeine Rezepte parat wie

 

  • Geld langfristig anlegen, mindestens fünf Jahre liegen lassen
  • Risiko breit streuen, mindestens zehn verschiedene Aktien verschiedener Branchen und Länder kaufen
  • Kurseinbrüche aussitzen statt in Panik mit Verlust zu verkaufen.Wenn Sie diese Ratschläge in den letzten fünf Jahren befolgten, verloren Sie dennoch 20 Prozent Ihres Geldes. Haben Sie zusätzlich konkrete Kaufempfehlungen der Experten befolgt, fielen diese Verluste noch höher aus. Ein Beispiel: Als sich der DAX vor einem Jahr seinem Tiefststand näherte, empfahl uns ein Anlageberater der größten deutschen Bank, DAX-Werte zu verkaufen und durch europäische Aktien zu ersetzen. Begründung: In den letzten zwei Jahren habe sich der europäische Markt günstiger entwickelt als der deutsche. Deutschland sei – was das Wachstum betrifft – Schlusslicht in Europa. Wir sind dieser Empfehlung nicht gefolgt. Wir sagten uns: wenn die deutschen Aktien in letzter Zeit stärker fielen, werden sie auch stärker steigen, sobald die Kurse wieder nach oben drehen. So kam es auch: ab März 2003 stiegen die Kurse wieder. In dem Zeitraum, als die Eurostox-Aktien 20 Prozent zulegten, erreichten die DAX-Werte einen Zuwachs von über 30 Prozent!Woher rührt der Irrtum der Analysten, also von Fachleuten, die über interne Informationen verfügen? Wir haben ihn im ersten Teil unserer Börsenpsychologie schon unter die Lupe genommen. Die Experten versuchen aufgrund Ihrer Informationen die Zukunft vorherzusagen. Sobald der private Bankkunde davon hört, haben die Banken – die ja auch Aktien für den eigenen Profit handeln – längst zugeschlagen. Der Kurs ist bereits gestiegen, der private Anleger kauft erst, wenn die Banken schon anfangen zu verkaufen und die Gewinne einzustreichen. Schon Börsenguru Kostolany warnte vor den Urteilen der Finanzberater.Ist der Kleinsparer also chancenlos? Durchaus nicht. Er braucht nur die internen Informationen der Banker über Unternehmensgewinne und Geheimtipps zu ignorieren und statt dessen auf die einzige Tendenz zu setzen, die absolut sicher und gewiss ist: mal geht es an der Börse nach oben, dann wieder nach unten, dann wieder nach oben … Und so weiter.Mit dieser Banalität lässt sich viel Geld verdienen, wenn man sie konsequent in die Tat umsetzt. Wenn man sich nicht von Alarmmeldungen aus der Ruhe bringen lässt. Es gibt nämlich mathematische Gesetze, die solche zyklischen Vorgänge beschreiben. Wir nennen Ihnen die drei wichtigsten Strategien, die garantiert Mindestgewinne von fünf bis zehn Prozent im Jahr bringen. Vorausgesetzt, Sie bleiben mindestens fünf bis sieben Jahren dabei.Strategie 1: Bei niedrigen Kursen kaufen, bei hohen Kursen verkaufen.Als der DAX auf 2300 fiel, galten Aktien als Geldvernichtungsmaschine. Niemand wollte welche kaufen, deswegen waren sie so billig. Manche Unternehmen waren nach dem Preis all ihrer Aktien weniger wert als ihre materielle Ausstattung an Maschinen, Grundstücken und Fabrikgebäuden. Bei solche Kursen kann man getrost einsteigen, auch wenn kein Profi mehr einen roten Heller dafür geben würde. Als dagegen der DAX Anfang 2000 die 8000.Punkte-Barriere übersprang, schwärmten die Profis bereits von der 20 000-er Marke. Lassen Sie sich von den extremen Stimmungen nicht mitreißen. Spätestens nach zwei Jahren will keiner von den Goldsuchern mehr an seine damaligen Irrtümer erinnert werden. Handeln Sie antizyklisch, gegen das allgemeine Gefühl von Pessimismus bzw. Optimismus. Zwei Jahre später werden Sie alle um Ihre gute Nase beneiden.Strategie 2: Nachkaufen.Wann aber ist der tiefste Kurs erreicht, zu dem man kaufen soll? Was, wenn die Kurse weiter fallen? Kaum jemand erwischt den günstigsten Kurs. Die sichere Strategie, die garantiert zu Gewinnen führt, lautet: Werfen Sie nicht alles Geld, das Sie haben, auf den Aktienmarkt, sondern nur ein Drittel. Das übrige investieren Sie in Wertpapiere, die Sie jederzeit wieder zu Geld machen können. Fallen die Aktienkurse weiter, warten Sie eine Weile ab und kaufen dann noch einmal die gleichen Aktien zu dem tieferen Kurs. Fällt der Kurs wider Erwarten immer noch weiter, kaufen Sie noch ein drittes Mal nach.Wie gut diese Strategie läuft, zeigt folgendes Rechenbeispiel, das sich an der Kursentwicklung des Dax in den letzten Jahren orientiert:
  • Sie kaufen 1000 Aktien zu einem Kurs von 8 Euro. Doch oh Schreck – der Kurs fällt um die Hälfte.
  • Sie kaufen noch einmal 1000 Aktien, diesmal zum Kurs von 4 Euro. Doch der Kurs bricht noch einmal um die Hälfte ein.
  • Sie kaufen ein drittes Mal Aktien, wieder 1000, diesmal zum Kurs von 2 Euro.Nun endlich dreht der Markt. Leider brauchen Sie vier Jahre nach Ihrem ersten Kauf das Geld und müssen verkaufen, obwohl die Aktie den alten Kurs von 8 Euro nicht wieder erreicht hat, sondern nur bei 5 Euro steht. Mit wie viel Verlust müssen Sie verkaufen?Berechnen wir zunächst, was Sie ausgegeben haben: je 1000 Mal 8, 4 und 2 Euro. Macht insgesamt 14 000 Euro.Und wie viel bekommen Sie, wenn Sie Ihre 3000 Aktien für 5 Euro verkaufen? 15 000 Euro! Sie haben keinen Verlust, sondern 1000 Euro Gewinn gemacht. Obwohl der Kurs noch meilenweit von Ihrem Einstiegskurs entfernt ist.Strategie 3: Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen.

    Bankberater empfehlen, sich ein Kursziel zu setzen – zum Beispiel einen Gewinn von 50 Prozent – und dann zu verkaufen. Das ist eine sichere Methode. Falls die Aktien in absehbarer Zeit diese Gewinnschwelle tatsächlich erreichen. Noch besser ist jedoch folgende flexible Strategie. Solange Ihre Aktien steigen, unternehmen Sie gar nichts, sondern freuen sich an Ihrem wachsenden Depot. Sollten jedoch die Kurse fallen, verkaufen Sie, sobald der Verlust eine bestimmte Größe überschreitet, die Sie vorher festgesetzt haben. Diese Strategie eignet sich besonders, wenn Sie während ansteigender Kurse kaufen, also jetzt. (Dagegen empfiehlt sich die Nachkauf-Strategie für Zeiten fallender Kurse.)Im Einzelnen funktioniert das so:

  • Erst einmal unternehmen Sie nichts, bis die Kurse 20 Prozent gestiegen sind. Sollten Sie wider Erwarten sofort einbrechen, also keine 20 Prozent Zuwachs erreichen, wenden Sie die Nachkauf-Strategie an.
  • Nachdem Ihre Aktien 20 Prozent mehr kosten als zum Zeitpunkt Ihres Kaufes, setzen Sie sich ein Verlustlimit, zum Beispiel von 15 Prozent. Weniger Prozent sind nicht sinnvoll, damit Sie nicht auf kleine Schwankungen des Kurses reagieren und ständig verkaufen und wieder kaufen müssen. Ein Verlustlimit setzen bedeutet: Sie nehmen sich vor, die Aktien auf jeden Fall zu verkaufen, wenn Sie gegenüber dem Höchstkurs, den sie in Ihrem Besitz erreichten, um 15 Prozent verlieren. Dann realisieren Sie immer noch einen Gewinn von mindestens 5 Prozent, schützen sich aber vor einem Verlust durch einen noch größeren Kurseinbruch.
  • Nach dem Verkauf lassen Sie Ihr Geld als Bargeld auf dem Konto liegen und steigen erst wieder ein, wenn die Kurse wieder um 15 Prozent steigen. Im ungünstigsten Fall – wenn die Kurse gleich nach Ihrem Verkauf wieder steigen – kaufen Sie wieder zum Verkaufskurs, machen also weder Gewinn noch Verlust durch ihre Aktion. Wenn jedoch die Kurse nach Ihrem Verkauf weiter fallen, machen Sie einen Gewinn beim Wiedereinstieg. Und zwar in Höhe der Verluste, die alle übrigen Aktienbesitzer, die nicht rechtzeitig verkauften, hinnehmen mussten.

Lesen Sie auch die ersten beiden Teile unserer Börsenpsychologie:
Börsenpsychologie (Teil I) Gier, Angst und Herdentrieb
Börsenpsychologie (Teil II) Psychofalle Geld

Februar 2004 © by www.berlinx.de

 

 

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