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Die Lösung scheint denkbar einfach. Positiv denken, mißmutige Gedanken in ihr Gegenteil verkehren, und schon ist die schlechte Laune für immer verflogen. Leider klappt das Rezept, sich ein halbleeres Glas einfach als halb voll vorzustellen, nur selten. Die meisten sagen sich zwar: Eigentlich hab ich es doch ganz gut. Aber die Laune bessert sich nicht. Im Gegenteil, sie fühlen sich schuldig, weil sie sich trotz ihres Wohlstands nicht glücklich fühlen. EGONet verrät Ihnen, wie Sie dem Glück ein Stück näher rücken.

Stellen Sie zwanzig Leuten die Frage „Was ist Glück?“ und Sie erhalten aller Wahrscheinlichkeit nach zwanzig verschiedene Antworten. Die einen zählen Glücksgüter auf: einen Sechser im Lotto, einen kreativen Beruf, eine erfüllende Partnerschaft, Gesundheit und langes Leben. Andere nennen innere Zufriedenheit, eine gesicherte Zukunft oder andauerndes Wohlbefinden. Ist die Zahl der befragten Personen genügend groß, schälen sich drei Arten von Glück heraus:

Glück haben: das ist der Lottogewinn, den richtigen Partner finden, einen heiß begehrten Job bekommen. Diese Art von Glück ist vom Zufall und äußeren Umständen abhängig. Allerdings können Sie sie durch ihr Verhalten begünstigen. Um im Lotto zu gewinnen, muß man spielen. Um einen begehrten Job zu erlangen, müssen Sie Kontakte pflegen, entsprechende Ausbildungen absolvieren und sich möglichst geschickt bewerben.
Glücksmomente erleben: Kurze Momente des Hochgefühls, die als besonders glücklich in der Erinnerung bleiben, können Sie ebenfalls durch ihr Tun fördern. Das kann ein tolles Essen sein, die Lieblingsmusik oder schöne Stunden zu zweit. Sie haben den Nachteil, daß sich ihre Wirkung abnutzt, wenn man sie zu oft wiederholt. Manche Arten von kurzem Glück stehen sogar einem langem Glück im Wege. Zum Beispiel die Ekstase des sexuellen Abenteuers. Wird sie zur Gewohnheit, verhindert sie eine dauerhafte Bindung, die auf Treue basiert. Aber auch Drogen, die beruhigende Zigarette zwischendurch oder Schokolade futtern bei Kummer bringen langfristig Nachteile mit sich.
Glücklich sein: Dauerhafte positive Stimmung ist ein Gut, das höchstens jedem zehnten beschieden ist. Die Grundlage ist ererbt. Es gibt ein Glücks-Gen. Dieses Gen regelt den Dopaminspiegel. Dopamin ist ein Nervenbotenstoff des Gehirns, der ähnlich wie Alkohol, Nikotin oder Koffein in unserer Psyche einen Belohnungseffekt in Gang setzt.

 

Die Pharma-Industrie der USA stellt seit einiger Zeit Medikamente (Prozac, Zoloft, Paxil) zur Verfügung, die als Dopamin-Beschleuniger die Stimmung aufhellen. Der Nachteil: Nach einiger Zeit wird man psychisch abhängig. Über jede der drei Glücksarten bringt EGONet in dieser und den beiden folgenden Ausgaben einen Beitrag. Wir beginnen mit dem letzten Punkt, dem Glücklichsein.
Lohnt es überhaupt, weiter darüber nachzudenken, wenn das dauerhafte Glücksgefühl in den Genen liegt?
Auf jeden Fall. Genetische Differenzen bedeuten nur, daß die Ausgangschancen unterschiedlich verteilt sind.
Was können Menschen tun, denen der angeborene Dopamin-Beschleuniger fehlt? Sind sie zum Umglücklichsein verdammt?
Seit Jahren wird positives Denken als Allheilmittel gegen dauerhaft schlechte Laune empfohlen. Selbst seriöse Professoren der Psychologie behandeln Unglückliche mit Alltagsweisheiten wie:
  • Sehen Sie im Schlechten auch das Gute.
  • Nehmen Sie Hemmnisse als Herausforderungen.
  • Legen Sie nicht jedes Wort auf die Goldwaage.
  • Nehmen Sie Ungemach nicht persönlich, sondern als Problem, das der andere hat.
  • Lernen Sie zu verzeihen. Groll schadet vor allem Ihnen selbst.
Das Erstaunliche: Vielen Menschen kann tatsächlich geholfen werden, indem sie solche Sätze verinnerlichen. Wer gerne glücklicher wäre, sollte es daher durchaus erst einmal mit dem positiven Denken versuchen.
An den meisten Menschen, besonders an den harten Realisten unter uns, prallen Ermahnungen, die innere Einstellung zu ändern, jedoch wirkungslos ab. Sie können sogar zu der Einsicht kommen: Stimmt, ich müßte glücklich sein. Ich bin es aber nicht. Also tauge ich (oder je nach Geschmack: taugt die Welt ) nicht viel.
Vorausgesetzt der Wille ist da, kann auch der harte Realist seine Fähigkeit, Glück zu empfinden, verbessern. Der Journalist Jürgen J. Drews – nicht zu verwechseln mit dem Schlagersänger! – stellt eine solche Möglichkeit in seinem Buch „Mein Glücksprogramm. Das erste Seelentraining gegen Probleme“ (Verlag Gesundheit Berlin 1998) vor.
Das Grundprinzip lautet: Wenn Sie Ihre Einstellung nicht ändern können, ändern Sie Ihr Verhalten! Wer wenig Glück empfindet, lebt so, daß er immer wieder Ärgernisse und Mißerfolge erfährt. Eignen Sie sich Strategien an, mit denen Sie solche Situationen positiv meistern.
Wir haben diese Methode für diesen Beitrag etwas vereinfacht und zugleich mit anderen Regeln der Persönlichkeitsentwicklung verknüpft:
Überprüfen Sie als erstes, ob es bestimmte Umstände in Ihrem Leben gibt, die hauptsächlich an Ihrer Unzufriedenheit schuld sind. Das kann eine schmerzhafte Trennung sein, der Verlust des Arbeitsplatzes, aber auch eine organische Krankheit. Einige hormonelle Störungen ziehen beispielsweise Depressionen nach sich. Wenn es in Ihrem Leben so etwas gibt, streifen Sie zunächst diesen Hemmschuh ab. Gegen Verluste wappnen Sie sich mit der Suche nach neuen Lebensinhalten. Gegen Depressionen suchen Sie den Rat eines Arztes oder Psychotherapeuten. Werden Sie tätig! Die meisten verzichten auf praktische Änderungen, weil sie zu bequem sind oder sie von vornherein für hoffnungslos halten. Die Praxis beweist jedoch, daß allein das Aktivwerden vom Unterbewußtsein als eine Art Erfolg positiv verarbeitet wird. Gehen Sie also gegen die vermutliche Unglücksursache vor. Überprüfen Sie dann, ob sich mit dem aktiven Vorgehen Ihre Stimmung bessert.
Wenn nicht – oder wenn Sie eher allgemein unzufrieden sind – unternehmen Sie eine Bestandsaufnahme. Fragen Sie sich: Bestimme ich über die Umstände in meinem Leben oder bestimmen die Umstände mich? Die meisten werden sagen: Teils, teils. Entscheidend ist, welcher Anteil überwiegt. Füllen Sie dazu eine Tabelle aus nach folgendem Muster:
LebensbereichHier bestimme ichHier bestimmen die Umstände
PartnerschaftMeine Frau ist treu und zuverlässig, wir haben viele gemeinsame Erfahrungen. Ich bin schon fremd gegangen, um ein Abenteuer zu erleben, aber ich würde sie nie verlassen.meine Traumfrau lief mir einst davon, so heiratete ich ihre beste Freundin. Sie ist hübsch, aber ihr fehlt das gewisse Etwas, das Aufregende.
Arbeit
habe die Stelle erhalten, die ich wollte; ich entscheide über die Reihenfolge der zu erledigenden Arbeiten
 
die Arbeitsinhalte und die Termine legt mein Chef fest, vorläufig keine Aufstiegsmöglichkeiten
GeldIch verdiene genug für Wohnung,. Urlaub und Alltag. Für größere Anschaffungen bleiben … Mark im Monat übrig.Nach Abzug des Notwendigen bleiben nur noch … Mark für Extras. Damit habe ich kaum Mittel, um mal aus der Routine auszubrechen.
 
Sie werden die Texte in den Spalten weiter ausbauen, als auch neue Zeilen hinzufügen für Hobby, Freunde, Gesundheit und so weiter. Vergessen Sie die inneren Werte nicht, also Ihren Charakter, Ihre Begabungen, Ihr Geschlecht oder Ihr Alter.
Sie werden feststellen, daß die in der zweiten Spalte genannten Sachverhalte Sie eher glücklich, die der dritten Spalte eher unglücklich stimmen. Suchen Sie nun aus der dritten Spalte die zehn wichtigsten Punkte heraus, an denen prinzipiell Änderungen möglich wären. (Ihr Alter können Sie nicht ändern, aber für Ihre Gesundheit und Ihr Aussehen könnten Sie etwas tun.) Schließen Sie dabei nicht zu viele Punkte von vorn herein aus. Auch wenn es unklug wäre, Ihre Arbeitsstelle zu kündigen, weil Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt sehr gering sind – Sie können nicht behaupten, daß eine Änderung prinzipiell unmöglich wäre.
Jetzt überlegen Sie, wie groß Aufwand und Risiko möglicher Änderungen sind. Danach erstellen Sie eine Rangfolge. Was am leichtesten zu ändern ist, kommt an den Anfang.
In der Folgezeit beschäftigen Sie sich nur mit diesem ersten Punkt. Überlegen Sie, wie Sie die Situation für sich so verbessern können, daß Sie Herr(in) der Umstände werden. Dann unternehmen Sie Schritte zur Verwirklichung. Sobald Sie in diesem Punkt alles erreicht haben, was möglich war, nehmen Sie sich den nächsten Punkt vor.
Wie Sie dabei vorgehen, hängt vom konkreten Fall ab. Wenn es z.B. um eine Arbeitsstelle geht, auf der Sie sich unwohl fühlen, zu der Sie aber keine Alternative sehen: Schauen Sie sich alle Job- und Weiterbildungsangebote im Internet an. Gehen Sie zum Arbeitsamt in die Sprechstunde für Beschäftigte und lassen Sie sich beraten. Besuchen Sie Messen Ihrer Branche und knüpfen Sie Kontakte. Überprüfen Sie außerdem, welche Möglichkeiten Sie haben, sich selbständig zu machen. Begnügen Sie sich nicht mit bloßem Nachdenken, sondern erkundigen Sie sich nach Büromieten, fragen Sie Geschäftsinhaber Ihrer Wohngegend nach ihren Erfahrungen, erkundigen Sie sich in einer Bank nach Kreditbedingungen.
Wie schon gesagt: Die Erfahrung lehrt, daß allein die Beschäftigung mit den Problemen die Stimmung nachhaltig verbessert. Ein Großteil unserer Unzufriedenheit rührt daher, daß wir Probleme vor uns her schieben. Die aktive Auseinandersetzung mit Schwierigkeiten – unabhängig davon, ob wir am Ende eine Veränderung erreichen oder nicht – gibt uns das Gefühl wieder Herr der Lage zu sein und nicht mehr von den Umständen wie eine Schachfigur über das Brett des Lebens geschoben zu werden.
Häufig liegt der Gewinn nicht in einer Lösung, die alle Schwierigkeiten beseitigt, sondern in der Erfahrung, daß ein Problem automatisch kleiner wird, wenn uns ihm stellen. Sehr oft tun sich Alternativen auf, die uns entgangen sind, solange wir im heimischen Sessel darüber gegrübelt haben. Wir gewinnen neue Bekanntschaften, erhalten zusätzliche Informationen und merken, daß wir die Fähigkeit besitzen, auf die Dinge Einfluß zu nehmen.

 

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