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Magersucht und Bulimie
Wenn Schlankheit zur Sucht wird

Über fünf Prozent aller Mädchen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren leiden an einer dieser beiden nah verwandten Störungen. Tendenz steigend. Zunehmend sind auch ältere Frauen und Männer betroffen.

Kaum eine Frauen- oder Fitnesszeitschrift, die nicht Ausgabe für Ausgabe neue, angeblich immer sensationellere Abnehmkuren anpreist. Ein deutlicher Hinweis, das alle Diäten der vorigen Ausgaben bei den Leserinnen und Lesern nicht den versprochenen Erfolg erzielten. Den Programmen der aktuellen Ausgabe, das kann jeder von vornherein sagen, wird es nicht besser ergehen.

Man könnte dies als ein Ritual, als offenbar notwendigen Werbeaufwand der Herausgeber akzeptieren und schulterzuckend zur Tagesordnung übergehen, wenn nicht der Schlankheitswahn auf eine Minderheit lebensgefährliche Auswirkungen hätte – indem er in sein Gegenteil umschlägt. Wenn Selbstzweifel einer ungefestigten Persönlichkeit mit dem Medienideal dürrer Modelkörper zusammentreffen, kommt leicht ein tödlicher Teufelskreis in Gang, der kaum noch zu stoppen ist, wenn er sich erst einmal verselbständigt hat.

  Am Anfang steht wie bei vielen Persönlichkeitsstörungen eine Erziehung, die einem Kind nur dann Anerkennung zukommen läßt, wenn es bestimmte Leistungsideale erfüllt. In den letzten Jahren betreffen diese Ideale immer mehr das Aussehen. Rund die Hälfte aller Mädchen träumt schon im Kindesalter von einer Modelkarriere. Schlankheit ist eines der wichtigsten Auswahlkriterien. Da das Körpergewicht nicht nur naturgegeben ist wie etwa eine große Nase oder die Körpergröße, sondern durch das Eßverhalten beeinflußt werden kann, weitet sich elterliche Leistungsdruck auf diese Gebiet aus mit unheilvollen Ergebnissen.   Um schlank zu sein scheint nichts weiter erforderlich zu sein als Disziplin. Wenn nun disziplinierter Verzicht das erwartete Ergebnis bringt – Gewichtsverlust – loben wir uns im Stillen selbst. Dieses Selbstlob verstärkt das Verhalten, das die Ursache des Erfolges wurde – in diesem Fall der Nahrungsverzicht.
Dadurch wird der biologische Mechanismus umgekehrt. Im Normalfall wirkt Nahrung belohnend. Wenn wir zum Beispiel Schokolade essen, werden Glückshormone freigesetzt. Jetzt aber geschieht etwas Erstaunliches. Der Erfolg des Nahrungsverzichts wirkt ebenfalls belohnend, setzt ebenfalls Glückshormone frei. Bei den meisten von uns wirkt freilich die Schokolade stärker. Appetit und Hunger setzen sich gegenüber der Vernunft durch.
Bei einem Mädchen mit einer starken Motivation für Schlankheit kann das Gegenteil eintreten. Insbesondere dann, wenn sie wegen ihrer Schlankheit gelobt und zum ersten Mal deutliche Anerkennung erfährt. Wenn sich das nächste Mal das Hungergefühl meldet, denkt sie nicht mehr: „Ich muß was essen“. Sondern: „Ich schaffe es, ich kann der Versuchung widerstehen!“
Dieser Erfolg wird mit innere Begeisterung registriert. Und dieses Gefühl der Begeisterung an sich selbst ist so toll, daß keine Entbehrung zu groß ist, um es noch einmal zu erleben. Um es zu steigern. Nach dem fünften, sechsten Mal reicht allein das Hungergefühl aus, um die Begeisterung, den Erfolg wieder zu empfinden.
Nach einiger Zeit meldet sich eventuell die Vernunft und sagt: „Ich habe schon Untergewicht. Jetzt ist es genug.“ Doch der Versuch, wieder normal zu essen, scheitert. Die Nahrung löst Abneigung, ja sogar Ekel aus. Die Selbstbestätigung durch das gelungene Abnehmen ist längst im Unterbewußtsein verankert. Glückshormone erzeugt der Körper nur noch beim Nichtessen.
Von einem bestimmten Moment an, kreisen alle Gedanken nur noch um Nahrung und ihre Vermeidung. Alles übrige wird zweitrangig. Manche reduzieren nicht nur ihre Nahrung, sondern treiben auch bis zur Erschöpfung kalorien­zehrende Sportarten (Radfahren, Langstreckenlauf). Sie treiben Mißbrauch mit Abführmitteln und appetithemmenden Tabletten. Auch wenn sie nicht leugnen können, daß sie bereits knochendürr sind – für ihr Gefühl ist an ihrem Körper immer noch überflüssiges Fett.
Die Pubertät fördert den Hang zur Magersucht. Der Übergang vom Kind zur Frau bringt Gewichtszunahme und Körperrundungen hervor. Der Versuch, durch Hungern den Kinderkörper zu bewahren, kann vorübergehend von Erfolg gekrönt sein. Da bei starker Unterernährung auch die monatliche Regel ausbleibt, scheint das Aufhalten der Entwicklung zu gelingen. Das Nicht-Frau-werden-wollen ist manchmal auch ein passiver Widerstand gegen die Pläne der Eltern, die sie für den weiteren Lebensweg ihrer Tochter entworfen haben.
Nur bei etwa einem Drittel verschwindet die Magersucht während der Pubertät von allein. Zehn Prozent der Mager­süchtigen hungern sich zu Tode. Die übrigen haben ihr Leben lang Eßprobleme.
Bei der Bulimie wechseln Hungerperioden mit plötzlichen Anfällen von Freßsucht ab. Nach einer längeren Zeit der Magersucht und „erfolgreichem“ Schlankhungern stopfen sie plötzlich Unmengen von Nahrung in sich hinein – und zwar bis zum Erbrechen. Die betroffenen Mädchen und Frauen halten ihre Eßorgien und das anschließende Erbrechen geheim. Während Magersüchtige dürr sind, aber leugnen, krank zu sein, wissen Bulimiekranke um ihre Störung, obwohl sie meistens kein Untergewicht haben. Durch ihren Heißhunger halten sie – wenn auch anfallartig – ihre notwendige Kalorienversorgung aufrecht. Daß es ihnen nicht gelingt, ihre Schlankheitsbemühungen durch­zuhalten, demütigt ihr Selbstwertgefühl.
Angehörige von Bulimiegestörten erkennen die Krankheit daran, daß periodisch Kühlschrank und Speisekammern von allen Vorräten entleert sind. Was können Angehörige tun?
1. Niemals zum Essen nötigen! Je mehr Druck ausgeübt wird – sei es in Form „vernünftiger“ Argumente, besorgter Gesichter oder per Befehl („Du bleibst jetzt solange sitzen, bis du alles aufgegessen hast!“) – desto größer werden der Widerstand und der Ekel vor dem Essen. Zuallererst muß der Anspruch des Betroffenen akzeptiert werden, über sein Eßverhalten selbst zu entscheiden, auch dann, wenn es ungesund ist.
2. Führen Sie Gespräche, die sich mit den Vorstellungen der Betroffenen von ihrem eigenen Körper und ihrem Selbstwertgefühl befassen. Sagen Sie zum Beispiel:
  • Du bist mit deinem Aussehen unzufrieden. Was stört dich am meisten?
  • Du bist stolz auf dich, wenn es dir gelungen ist, wieder ein Kilo abzunehmen.
  • Ich habe den Eindruck, du möchtest gern noch schlanker sein als Kate Moss.
Hören Sie sich die Antworten gut an. Sie erfahren, wie die Betroffene sich sieht und wie sie sein möchte. Achten Sie vor allem darauf, welche Erfolgserlebnisse ihr fehlen. Wenn jemand im Dünnerwerden seinen wichtigsten Lebenserfolg sieht, fehlt es an motivierenden Ereignissen in seiner Umwelt. Aber sagen Sie nicht, wie Sie selbst das Hungern interpretieren. Die Betroffene muß von sich aus erkennen, welche seelischen Defizite sie mit ihrer Magersucht auszugleichen versucht.
3. Wenn Sie nach etwa fünf Gesprächen spüren, daß sich bei der Betroffenen nichts ändert, müssen Sie überlegen, ob profes­sionelle Hilfe notwendig ist. Bulimiekranke, die unter ihrer Störung leiden, verfügen meist über die nötige Einsicht, daß sie allein nicht zurechtkommen. Sobald einige Freunde und Bekannte ihre Heißhunger- und Brechanfälle mitbekommen haben, sind sie bereit, einen Therapeuten aufzusuchen. Schwieriger wird es bei Magersüchtigen. Sie behaupten in der Regel, sich nur deshalb nicht wohl zu fühlen, weil sie noch zu dick sind - selbst wenn schon alle Rippen, Becken- und Schulterknochen deutlich hervortreten. Erst bei extremem Untergewicht werden sie in eine Klinik eingewiesen und künstlich ernährt, bis die unmittelbare Gefahr des Verhungerns behoben ist. Zugleich wird eine Psychotherapie begonnen.
Besser ist es, einen Therapeuten hinzuzuziehen, bevor Lebensgefahr besteht. Wenn die Mager­süchtige keine Einsicht hat, sind die Erfolgsaussichten einer Therapie allerdings nicht sehr hoch. Es besteht jedoch die Möglichkeit, sich an eine Selbsthilfegruppen für Frauen mit Eßstörungen zu wenden, die es mittlerweile in fast jeder Stadt gibt. Außerdem existieren in Deutschland mehrere Spezial­kliniken für Eßstörungen. Dort können Sie sich Rat holen.
Mehr über Bulimie lesen Sie in einem weiteren Ego-net.de Artikel
weitere Informationen auch bei www.gesund.co.at

Literatur:

Dr. Frank Naumann: Erste Hilfe für die Seele
Beistand in Notsituationen, Lebenskrisen und Konflikten
Verlag Gesundheit, Berlin 1996, ISBN: 3333007592, DM 29,90 
Zu bestellen hier

Prof. Dr. med. Gisela Ehle: Ich finde nicht mein Maß. Magersüchtig, eßsüchtig, eßbrechsüchtig? Verlag Gesundheit Berlin (MEDICUS-Reihe), DM 19,80.

Mai 1999 © by www.berlinx.de

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