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Messies
Lernen Sie, das alltägliche Chaos zu bändigen

Wenn sich unerwartet Besuch ankündigt – starten Sie dann eine eilige Aufräumaktion, um wenigstens oberflächlich Ordnung vorzutäuschen? Dann leiden Sie unter dem Messie-Syndrom. Egonet erklärt, wann das Chaos beginnt und wie Sie Oberhand gewinnen.

Als Jonas zu Mandy zog, bestand er darauf, seine Wohnung als Rückzugsort zu behalten. Einige Monate sah sie sich das mit an. Dann fragte sie: „Ist es wirklich nötig, für zwei Wohnungen Miete zu zahlen?“ Als Jonas hartnäckig weiter auf seiner Wohnung bestand, in der er nie schlief, fing sie an sich zu fragen, ob er dort eine Geliebte verbirgt. Schließlich wurde es ihr zu bunt. Sie schnappte sich heimlich seinen Zweitschlüssel, um sich während seiner Arbeitszeit dort einmal umzusehen.

Als sie die Wohnungstür öffnete, stürzte ihr ein Stapel Zeitschriften entgegen. Mühsam bahnte sie sich einen Weg durch Berge von Kartons, alten Briefen, Bierdeckeln, Fanbildern, Videokassetten und Fotoalben. Aus den Schränken quollen Hemden und Pullover längst vergangener Epochen. Der Kühlschrank stand offen und war mit Konservendosen und alten Uhren vollgestopft.

In diesem Moment wünschte sich Mandy, sie hätte tatsächlich ein Liebesnest entdeckt. Damit hätte sie umgehen können: eine Szene machen und eine Ultimatum stellen „sie oder ich“. Aber was tut man mit einem Mann, der sich von seinen alten Sachen nicht trennen kann? Der seinen Müll so sehr liebt, dass er dafür monatlich 700 Euro Miete zahlt? Der alles erwerben und aufbewahren muss, was irgendwann in seinem Leben mal sein Interesse wecken konnte?

Jonas ist ein Extremfall. Dennoch: Jeder von uns ist auf irgendeinem Gebiet ein leidenschaftlicher Hamster. Der eine kann sich nicht von alten Comicheften trennen, der zweite stopft „vorläufig“ Alltagsgerümpel in seinen Kleiderschrank, der dritte erfindet jede Woche ein neues Ordnungssystem für seine CDs, obwohl er nicht einmal ungefähr angeben kann, wie viele er besitzt. Bis zu einem gewissen Grad ist das ein harmloses Ventil für den Zwang, im Berufsalltag Perfektionismus vorzutäuschen. Man hält am Arbeitsplatz penibel Ordnung, um zu beweisen, dass man die Dinge im Griff hat. Die Anteile des Alltags, die man nicht schafft zu bändigen, entsorgt man deshalb in dunklen Ecken, Schränken und Fächern, um sie dem kritischen Blick von Chefs, Kollegen und anderen wichtigen Personen zu entziehen.

Anfang der 80-er Jahre gründete die Amerikanerin Sandra Felton eine Selbsthilfegruppe für unverbesserliche Chaoten – die Anonymen Messies. Das Wort leitet sich vom englischen „mess“ für Unordnung und Chaos ab. Wie andere Selbsthilfegruppen von Süchtigen besteht der erste Schritt darin, zuzugeben, dass man Probleme mit der Unordnung hat, um in kleinen Schritten die Herrschaft über die eigenen Besitztümer zurückzugewinnen. Nach Schätzungen sind 15 Prozent der Bevölkerung so unordentlich, dass sie unter den Folgen leiden. Die Mehrheit hat persönliche Rituale entwickelt, um sich mit dem Überfluss an nutzlosen Dingen zu arrangieren.

Meist besteht die Lösung darin, größere Wohnungen zu mieten als nötig und so ein Leben lang zuviel Miete zu zahlen. Wer beispielsweise für 300 Bücher und Videokassetten ein zusätzliches Regal aufstellt und dafür einen Quadratmeter Wohnraum verbraucht (Stellfläche plus Stehplatz vor dem Regal), zahlt dafür im Monat mindestens zehn Euro Warmmiete. Das macht in zwanzig Jahren 2400 Euro, also ein ordentliches monatliches Nettoeinkommen. Zieht er zwischendurch um, entstehen weitere Kosten. Dafür hätte er schon 300 neue Bücher oder Videokassetten kaufen können.

Ratgeber empfehlen kluge Entrümpelungsstrategien. Doch Messies scheitern nicht, weil sie nicht wüssten, wie man aufräumt. Das können sie nicht schlechter als andere Leute. Ihr Problem: Ihr Unterbewusstsein will sich von den Dingen nicht trennen, obwohl ihr Verstand ihnen zurät. Die angesammelten Bildchen, Papiere und Nippes sind für sie Bestandteile ihres Ichs. Sie wegzuwerfen hieße, einen wichtigen Teil ihres Lebens wegzuwerfen, an dem sie oft mit nostalgischer Sehnsucht hängen. Bevor Sie also eine Aufräumaktion starten, die Aussicht auf Erfolg haben soll, sollten Sie unbedingt folgende Lieblingsgedanken der Chaos­befürworter kritisch überprüfen.

„Ich brauche alles“: Messies würden sofort zugeben, dass sie mindestens die Hälfte ihrer Besitztümer nie wieder anschauen werden. Sie wissen nur nicht, welche Hälfte. Sie haben das Bedürfnis, jedes Ding für unvorhersehbare Eventualitäten aufzuheben. Drehen Sie daher den Gedankengang um: Wenn Sie einen Gegenstand weggeworfen haben und plötzlich gäbe es einen Grund, ihn wieder hervorzukramen: Würden Sie ihn finden? Und wenn nicht, bräche wirklich die Welt zusammen? Fast alle alten Zeitschriften, Bücher, Platten, Filme usw. sind über Ebay, Antiquariate, Bibliotheken und Spezialmessen wieder aufzutreiben. Die Kosten und Mühen des Neubeschaffens sind ein Klacks, verglichen mit den Mühen und Kosten eines eigenen Museums.

„Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll“: Ab einer bestimmten Größe scheint es einfacher, das Chaos weiterwuchern zu lassen als aufzuräumen. Freilich wissen Messies insgeheim, dass das nur eine Ausrede ist. Wenn sie umziehen oder die Wohnung renovieren müssen, packen sie ihre Besitztümer doch an. Allerdings nur, um sie von einer Stelle an eine andere zu bewegen. Bei so einer Gelegenheit die Hälfte wegzuwerfen, wäre einfacher, denn es würde die Mühe des Wiedereinräumens sparen. Warum tun sie es nicht? Sie müssten eine Entscheidung zwischen Wichtigem und Unwichtigem treffen. Aber gerade an Entscheidungsfreude mangelt es. Sie erfordert, im Voraus Prioritäten festzulegen und sich von allem, was nicht absolut lebenswichtig ist, konsequent zu trennen.

„Perfekte Ordnung ist der Tod der Kreativität“: Wer denkt nicht bei blitzblank aufgeräumten Schreibtischen an Sterilität und kaltherzige Bürokraten? „Nur kleine Geister halten Ordnung, das Genie überblickt das Chaos“ lautet ein Lieblingsspruch der Messies. Wer schon nervös wird, sobald sich ein Staubkorn auf seinen leeren Arbeitsplatz fällt, hat sicherlich Probleme. Übertriebener Perfektionismus ist genauso schädlich wie totale Unordnung. Doch wer auf seinem Schreibtisch erst zwei Stunden nach seinem Konzept suchen muss, bevor er mit der Arbeit beginnen kann, ist alles andere als kreativ. Ideen sprudeln am besten, wenn sie nicht wahllos durch Raum und Zeit irren, sondern sich auf ein vorgegebenes Ziel zu bewegen. Ordnung hilft, den Suchraum klein zu halten und somit unnötige Irrwege zu vermeiden.

Erst danach – nach einer inneren Entscheidung, sich vom Chaos zu verabschieden – können Sie mit guten Erfolgsaussichten ans Aufräumen gehen. Tipps finden Sie bei uns in dem Beitrag:

Das Hamster-Syndrom Haben Sie einen Hang zum Horten?

Lesen Sie bei uns außerdem:

Gelassenheit Wie Sie stets Herr der Lage bleiben

Zeitmanagement Organisieren Sie sich gegen das alltägliche Chaos Buch erwerben

Downshifting Weniger ist mehr

Literaturtipp:

Thomas Ritter: Endlich aufgeräumt. Rowohlt Taschenbuch, EUR 8,90

Ein Ex-Messie gibt Tipps für Leidensgefährten.

Juni 2004 © by www.berlinx.de

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