EGONET.de
Ausgabe 9/1998
Geiz als
Lebenskunst
Knickrigkeit ein
positives Lebensgefühl?
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(Mit Spartips der
Redaktion EgoNet)
Statt finanzielle Engpässe
schamvoll zu verschleiern, statt überteuerte Güter zu
kaufen, nur um den Nachbarn zu imponieren, können Sie
den Spieß auch umdrehen: Wer gibt weniger aus als ich?
Mit praktischen Tips für die Schonung Ihres
Portemonnaies.
Lange Zeit bewunderten wir
Mitmenschen, die mit lockerer Gebärde durch
Großzügigkeit und finanzielles Imponierverhalten von
sich reden machten. Luxuriöse Autos, Jahrgangsweine,
Fernreisen nach den Seychellen, antike Möbel und
rauschende Feste, bei denen man nicht aufs Geld schaut
das galt über Jahrzehnte als Ausdruck von
Wohlbefinden und persönlichem Erfolg. Inzwischen sind
Zeiten leerer Kassen angebrochen. Alle Welt redet vom
Sparzwang. Wer weiterhin mit dem Geld sichtbar um sich
wirft, erregt nicht mehr nur Bewunderung. Sondern er muß
sich vorwerfen lassen, ein Ökosünder zu sein und sich
der Steuerhinterziehung verdächtigen lassen.
Die Gegenbewegung kommt aus
Holland. Rob van Eeden, Arbeitsvermittler von Beruf, und
seine Ehefrau, die Psychotherapeutin Hanneke von Veen,
haben die Zeichen der Zeit erkannt. Für sie ist Geiz ein
realisierbarer, alternativer Lebensstil. Sie rechnen den
Lesern ihrer erfolgreichen Bücher vor, daß tausend Mark
in vierzig Jahren spart, wer seine Teebeutel auf der
Wäscheleine trocknet und wiederverwendet. Zahnpastatuben
aufzuschneiden, um ihren Inhalt vollständig zu verwerten
oder im Dunkeln zu duschen, um Strom zu sparen, lauten
zwei weitere Tips.
Derartige Auswüchse dürften
nicht nach jedermanns Geschmack sein. Wer will schon vom
Extrem der Verschwendungs"sucht" ins
Gegenextrem der Spar"sucht" verfallen? Dennoch:
Sparen wollen heute fast alle aber ohne auf die
gewohnte Lebensqualität zu verzichten. Familien und
Einzelgänger, die genau rechnen müssen, um
durchzukommen, versuchen lieber billiger einzukaufen,
ohne ihren Lebensstil erkennbar einzuschränken. Dafür
bietet unsere (immer noch) reiche Gesellschaft genügend
Reserven.
Wo die Deutschen bei Finanzflaute
zuerst sparen (Quelle: Wickert-Institute):
Kleidung 20%
Urlaubsreisen 12%
Restaurantbesuche 9%
Schmuck 8%
Auto 6%
Hobbies 6%
Gebrauchsgüter 6%
Kultur 5%
Lebensmittel 4%
Alkohol 4%
Es genügt häufig schon,
überflüssige Verschwendung abzustellen, um einen
deutlichen Gewinn einzufahren.
Einige Spartips haben wir für
Sie zusammengestellt:
· Bei Einkäufen an
mögliche Folgekosten denken. Möglichst nur
Kleidung kaufen, die man selbst waschen kann, die
also nicht in die Reinigung muß. Man spart pro
Wäsche 10 bis 15 Mark. Bei technischen Geräten
sich nach dem Stromverbrauch und weiteren
Betriebskosten erkundigen. Ein Beispiel: Wer
einen Laserdrucker erwerben will, sollte fragen,
wie teuer ihn der Toner pro hundert Seiten zu
stehen kommt. Beim billigsten Gerät, dem OKIPAGE
von OKI, betrugen diese Kosten laut einem Test
von Stiftung Warentest aus dem vorigen Jahr DM
5,31 beim fünfzig Mark teureren KX-P 6300
von Panasonic aber nur DM 1,61.
· Bei Pauschalreisen
lohnt der Preisvergleich. Für die gleiche Reise
(gleicher Ort, gleiche Dauer, gleicher Flug,
gleiches Hotel) findet man manchmal
Preisunterschiede von bis zu hundert Prozent
zwischen den Veranstaltern. Im Reisebüro
ausdrücklich das billigste Angebot verlangen!
Flüge und Last-minute-Angebote findet man im
Internet, zum Beispiel unter http://www.start.de
http://www.ltu.com oder http://www.traxx.de.
· Bei teureren
Einkäufen, die Sie bar bezahlen, grundsätzlich
nach Rabatten fragen. Zwei bis fünf Prozent sind
fast immer drin.
· Daß No-Name-Produkte
(Waschmittel, Fruchtsäfte, Disketten usw.),
deren Hersteller Werbekosten sparen, billiger
sind als gleichwertige Markenprodukte, hat sich
herumgesprochen. Weniger bekannt ist, daß Sparen
durch Verzicht auf bekannte Marken auch bei
Arzneimitteln möglich ist. Um die Hälfte
billiger kauft ein, wer zum Beispiel statt des
bekannten Kopfschmerzmittels Aspirin Acesal,
Acetylin oder ASS-Tabletten wählt. Alle vier
bestehen aus Acetylsalicylsäure, sind chemisch
identisch. Der Unterschied liegt nur im Preis. 20
Aspirin kosten über sieben Mark, die anderen
drei etwas mehr als drei Mark. Informationen zu
weiteren billigeren Alternativarzneien finden Sie
in der Kieler Liste" der
Verbraucherzentrale Hamburg.
· Obst und Gemüse sowie
Backwaren erhält man kurz vor Ladenschluß
häufig zu halben Preisen. Außerdem gibt es für
viele Waren günstige Jahreszeiten.
Erfahrungsgemäß sind am billigsten: Möbel und
Gardinen im April, Haushaltswaren und
Übergangskleidung im Mai,
Unterhaltungselektronik im August und Anfang des
Jahres.
· Ein neuer Trend
lautet: Kauf ab Fabrik! Da der Handel nicht
mitverdient, sind die Waren bis zu 50 Prozent
billiger. Adressen und Tips finden Sie im
Schnäppchenführer Deutschland",
erschienen bei Fink-Kümmerly + Frey. Preis DM
19,80.
· Preisagenturen
ermitteln bei teuren Gütern (Waschmaschinen,
Computeranlagen, Autos) das bundesweit
günstigste Angebot. Ein Beispiel: Ein Kunde fand
einen Einbauherd von knapp 2800 Mark. Die Agentur
ermittelte einen Händler, der das gleiche über
700 Mark billiger anbot. Ein Drittel der
Preisersparnis ging als Erfolgshonorar an die
Agentur. Gewinn des Kunden: fast 500 Mark. Nach
einem neuen Gerichtsurteil wird das Honorar für
die Agentur nur fällig, wenn auch tatsächlich
gekauft wurde. Deshalb nehmen die Agenturen
neuerdings ein Pauschalhonorar pro Recherche von
33 Mark oder eine Jahrespauschale für
Stammkunden. Das läßt sich nutzen. Sie
bestellen eine Recherche und gehen mit dem
ermittelten günstigsten Angebot zu Ihrem
Händler und verhandeln um Preisnachlaß. Drei
der bekanntesten Preisagenturen:
Preiswärter 0180/3332626
Pfennigfuchser
0211/7370004
Pro Buy 0621/8332320.
· Bei Parfümen kann man
den Preiskampf nutzen. Neue Duftdiscounter wie
ALRODO (Tel. 0130/837512) ziehen mit
Dumpingpreisen Kundinnen und Kunden an sich,
Kaufhäuser ziehen mit Sonderangeboten nach.
· Zu einer Versteigerung
von Amtsgerichten, Bahn oder Post zu gehen, spart
nicht nur viel Geld, sondern kann auch sehr
unterhaltsam sein. Termine stehen in den
Zeitungen.
· Manche Großfirmen
unterhalten Restemärkte. Etwa Tchibo (Posten
& Partien), Tengelmann (Rudis Reste Rampe)
oder Otto (Corso). Spareffekt: bis zu 50 Prozent.
· Günstig umziehen
über größere Entfernungen ist möglich über
Frachtspediteure, die in umgekehrter Richtung
einen Gütertransport geplant haben. Um zurück
eine Leerfahrt zu vermeiden, nehmen sie gern
einen Umzug mit. Vermittelt wird dieser Service
über eine Zentrale. Infos unter Telefon
01805/671626.
· Das Internet bietet
zahllose Möglichkeiten für die Jagd nach
günstigen Angeboten. Preisknüller finden Sie
unter http://www.preis.de. Einige Webseiten sind
auf alles spezialisiert, was umsonst zu haben
ist. Etwa: kostenlos.de oder
geizhals.de.
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