EGONET.de
Ausgabe 9/1998
In welchem Stil kommuniziere ich?
Ein Psychotest

In der Art, wie wir miteinander reden, drückt sich unsere Individualität aus. Machen Sie unseren kleinen Test, und Sie erfahren, welchen Stil der Unterhaltung Sie bevorzugen.

Kommunikationsforscher haben herausgefunden, daß wir in unterschiedlichen Stilen miteinander reden. Interessiert Sie, in welchem Stil Sie sich am liebsten unterhalten? Dann lesen Sie sich bitte die folgenden fünf Beispiele für typische Konfliktsituationen durch. Jedesmal stehen Ihnen sechs Antwortmöglichkeiten zur Auswahl. Kreuzen Sie diejenige an, die Ihnen am sinnvollsten erscheint.

In welchem Stil kommunizieren Sie?

Ein Psycho-Test

I.

Ein Mitarbeiter hat von einer Konkurrenzfirma ein Einstellungsangebot erhalten. Ihm wurden 500 Mark mehr im Monat geboten, als er bisher verdiente. Er wendet sich an den Personalchef (oder die Personalchefin) seines bisherigen Betriebes und schildert ihm (ihr) den Sachverhalt.

Dabei sagt er:

Mitarbeiter: Sicher, auf der einen Seite würde ich fünfhundert Mark mehr verdienen. Andererseits fühle ich mich hier im Betrieb wie zu Hause. Ich habe keinen Anlaß, mich zu beklagen.

Sie als Personalchef(in):

1. Inwiefern unterscheidet sich denn die Tätigkeit, die Sie dort ausüben werden von dem, was Sie bei uns tun?

2. Wenn Sie noch etwas Geduld haben, wird sich auch bei uns in finanzieller Hinsicht etwas tun.

3. Sie sind unschlüssig. Dort gibt es mehr Geld, aber hier fühlen Sie sich wohl.

4. Sie sollten sich genau überlegen, ob es das Geld ist, was glücklich macht.

5. Wenn wir bei Ihrem Gehalt noch etwas zulegen, würden Sie dann bleiben?

6. Überschlafen Sie das Ganze noch mal, vielleicht wissen Sie dann morgen genau, was Sie wollen.

II.

Ein Schüler, der in Sport schlechte Leistungen hat, aber in theoretischen Fächern einer der besten ist, spricht mit seinem Sportlehrer/seiner Sportlehrerin:

Schüler: Gewiß, ich könnte nachmittags herkommen und in der Sporthalle üben, damit ich wenigstens eine sichere Drei kriege. Andererseits werde ich nach dem Abitur nie wieder eine Reckstange anfassen müssen. Ist es da nicht sinnvoller, ich lese am Nachmittag ein paar Physikbücher, zur Vorbereitung auf mein Studium?

Sie als Lehrer(in):

1. Sie stört einerseits Ihre schlechte Note, andererseits haben Sie Bedenken, ob zusätzliches Trainieren für Sie nicht vergeudete Zeit ist.

2. Sprechen Sie mal mit Ihrem Klassenlehrer darüber, der kann Ihre Gesamtleistungen besser einschätzen als ich.

3. Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen einen speziellen Trainingsplan aufstellen, so daß Sie einen Teil der Übungen zu Hause durchführen können. Wäre Ihnen damit geholfen?

4. Sie sollten nicht nur an Ihre Noten denken, sondern auch daran, daß Sie mit dem Sport etwas für Ihre Gesundheit tun.

5. Sie wollen also nichts unternehmen, um Ihre Leistungen im Sportunterricht zu verbessern.

6. Sie sind nicht der einzige, der solche Bedenken hat, aber glauben Sie mir, mit ein bißchen Training kann jeder ganz ordentliche Leistungen erzielen.

III.

Ihr Neffe, siebzehn Jahre alt, besucht Sie während der Ferien und beklagt sich über seine Eltern.

Neffe: Die ganze Familie drängt mich, ich soll studieren. Mein Vater hat mir schon angedroht, daß er mich 'rauswirft. Sogar meine Freundin macht mir Vorwürfe; aber ich weiß ganz genau, daß das nichts für mich ist. Nur, irgendwie bringe ich es nicht fertig, mich durchzusetzen.

Sie als seine Tante oder sein Onkel:

1. Hast du schon mit einem Berufsberater gesprochen? Der hat Erfahrung und kann objektiv einschätzen, ob ein Studium für dich das Richtige ist.

2. Es bedrückt dich, daß du den anderen deine Zweifel am Studium nicht plausibel machen kannst.

3. Vielleicht fehlt dir nur das notwendige Selbstvertrauen. Deine Zeugnisse sind doch ganz ordentlich. Du solltest dir einfach mehr zutrauen.

4. An welchen Studiengang haben deine Eltern und deine Freundin denn gedacht?

5. In einer solchen Zwangslage befinden sich viele junge Leute. Du solltest die Flinte nicht gleich ins Korn werfen.

6. Du meinst also, daß dir die Ausdauer für ein längeres Studium fehlt.

IV.

Eine Lehrerin wendet sich an ihre(n) Direktor(in).

Lehrerin: Sie wissen, daß mein Vorgehen bei der Bewertung der Leistungen bei vielen Kollegen auf Ablehnung stößt. In letzter Zeit spüre ich, daß sich die Vorbehalte inzwischen gegen mich als Person richten. Ich habe den Eindruck, ich werde „geschnitten".

Sie als Direktor(in):

1. Das werde ich bei der nächsten Dienstberatung zur Sprache bringen; damit schaffen wir die Geschichte aus der Welt.

2. Woran haben Sie das im einzelnen festgestellt?

3. Vielleicht sind Sie persönlich etwas zu empfindlich.

4. Sie fürchten, man will Sie loswerden.

5. Während es zunächst nur um Ihre Methoden ging, fühlen Sie sich jetzt persönlich angegriffen.

6. Wissen Sie, das Klima bei uns ist jetzt, kurz vor den Zeugnissen, ohnehin etwas angespannt. Das wird sich bald wieder legen.

V.

Sie planen mit Ihrem Partner (oder Ihrer Partnerin) den Sommerurlaub. Im letzten Jahr verbrachten Sie gemeinsam die Ferien auf Mallorca, ihrem Wunsch entsprechend. Dafür wollte sie in diesem Jahr mit Ihnen durch Norwegen wandern. Doch nun sagt sie:

Partner(in): Im Reisebüro gegenüber haben sie ein ganz tolles Angebot hereinbekommen: drei Wochen Kreta zum Preis von zwei, und das in der Hauptsaison. Mit Flug nur tausendeinhundert Mark für jeden. Ich hab schon mal nachgefragt; sie haben nur wenige Plätze, wir müßten uns bis morgen mittag entscheiden. Da können wir minoische Kultur mit Badeurlaub verbinden. Da wir wegen unseres Autokredits sparsam planen müssen, sollten wir uns die Chance nicht entgehen lassen.

Sie:

1. Du solltest dich nicht so leichtsinnig über unsere Vereinbarung hinwegsetzen.

2. Du bist begeistert von der Idee, so günstig nach Kreta zu kommen.

3. Das kommt überhaupt nicht in Frage. Wir haben eine Vereinbarung und dabei bleibt es.

4. Du meinst, das rechtfertigt dich, so ohne weiteres unsere Vereinbarung aufzukündigen?

5. Ich hatte gleich das Gefühl, du würdest im letzten Moment unsere Vereinbarung platzen lassen.

6. Es wird immer wieder günstige Sonderangebote geben. Du wirst sehen, im nächsten Jahr finden wir haufenweise andere tolle Gelegenheiten, für wenig Geld viel zu erleben.

Auswertung

Es gibt keine Punkte für richtige und keine Abzüge für falsche Antworten, weil jeder Stil seine guten und problematischen Seiten hat – sondern nur Zuordnungen. Die verschiedenen Antwortmöglichkeiten der im Fragebogen genannten Fälle entsprechen den sechs nachfolgend beschriebenen Stilen in folgender Reihenfolge:

Fall

Antwort

I

II

III

IV

V

1

D

F

E

E

A

2

C

E

F

D

F

3

F

D

A

A

E

4

A

A

D

B

D

5

B

B

C

F

B

6

E

C

B

C

C

Dabei bedeuten:

A = Ihre Antworten sind wertend, das heißt, Sie äußern eine moralische Norm, in deren Namen Sie ein zustimmendes oder ablehnendes Urteil über den anderen fällen. Gesprächspartner empfinden ein solches Verhalten meist als Bevormundung oder Besserwisserei und ärgern sich eher darüber als daß sie sich verstanden fühlen.

B = Ihre Antworten sind Interpretationen. Sie bilden sich ein schnelles Urteil darüber, was der andere mit seiner Äußerung eigentlich sagen wollte. Sie lesen das heraus, was Ihnen wichtig erscheint, und suchen nach einer Erklärung. Dadurch entgehen Ihnen leicht weitere Aspekte. Es besteht das Risiko, daß Sie den Gedankengang Ihres Partners verzerren. Das wirkt auf ihn wie eine Unterstellung. Wenn jedoch die Interpretation zutrifft, wird der andere sich ertappt fühlen und rundweg leugnen.

C = Ihre Antworten haben tröstenden, bagatellisierenden Charakter und zielen auf Ermutigung, Beruhigung oder Ausgleich ab. Sie empfinden Mitleid und meinen, daß man die Sache nicht noch weiter dramatisieren sollte. Meist empfindet der Partner diesen Stil als Herunterspielen und fragt sich, ob Sie ihn nicht ernst nehmen.

D = Ihre Antworten sind forschend. Sie bemühen sich, mehr zu erfahren und lenken das Gespräch in die Richtung, die Ihnen wichtig erscheint. Sie haben jedoch den Verdacht, daß Ihr Partner um das Wesentliche drum herum redet und Ihre Zeit verschwendet. Sie wollen durch gezielte Fragen zum Kern der Sache vordringen. Was Ihnen wesentlich erscheint, kann aber für den anderen nebensächlich sein. Ihre Kommunikation ist verstandesorientiert. Sie wollen effektiv sein und sich in kürzester Zeit ein „objektives" Urteil bilden. Bei rationalen Menschen kann dieser Stil gut ankommen. Sensible Personen gewinnen den Eindruck, daß Sie an „technischen" Einzelheiten kleben bleiben und die Frage, wie Sie zu ihr/ihm stehen, unberührt bleibt.

E = Ihre Antworten sind handlungsanweisend. Sie halten nicht viel davon, den Konflikt weiter zu diskutieren. Sie warten nicht ab, bis Sie mehr erfahren haben, sondern reagieren durch Handeln und drängen zur Tat – indem Sie das Problem an jemand anderen delegieren oder sofort eine Entscheidung treffen. Sie verzichten auf die Chance, durch ein Gespräch Einfluß zu nehmen. In der Regel werden Sie auf diese Weise den Partner und seine Klagen los.

F = Ihre Antworten zeigen, daß Sie sich in erster Linie um Einfühlung bemühen. Sie wollen sich vor allem vergewissern, daß Sie die Äußerungen des andern richtig verstanden haben. Deshalb fassen Sie die Äußerung des andern so zusammen, wie Sie sie verstanden haben und nennen die Gefühle, die Sie beim andern vermuten. Der andere erkennt Ihren Wunsch, sich in seine Problemlage zu versetzen. Das ermutigt ihn, seine Konflikte genauer zu erläutern, solange Sie ihm weiter vorurteilsfrei zu folgen bereit sind. Bei emotionalen Menschen kommt dieser Stil gut an. Rationale Partner werden aber – besonders wenn Sie ausschließlich in diesem Stil kommunizieren – den Eindruck gewinnen, daß das Problem ohne greifbares Ergebnis zerredet wird und Sie sich vor einer eigenen Meinungsäußerung hüten.

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