Nach einem klassischen, viel zitierten Experiment aus dem Jahre 1972 wird der Gesamteindruck von einer Persönlichkeit zu 55 Prozent von der Körpersprache, zu 38 Prozent von der Stimme und nur zu 7 Prozent vom Inhalt des Gesprochenen bestimmt. In drei Beiträgen informiert Sie EGONet über die Wirkung unseres Körpers in der Kommunikation. Haben Sie schon einmal bemerkt, wieviel körpersprachliches die Wissenschaft sagt nonverbales Verhalten in unsere alltägliche Rede einfließt? Sie nennen einen Freund, den Sie bewundern, aufrichtig, obwohl er gar nicht aufrecht steht, sondern gerade neben Ihnen sitzt. Ein anderer hat dagegen keine Haltung, Ihr Chef beweist Ihnen kein Entgegenkommen, eine frühere Freundin (oder Freund) hat Sie sitzen lassen, also sich von Ihnen abgewendet. Blicke durchbohren uns, Dinge kann man in den Griff kriegen, vorausgesetzt, wir beweisen Fingerspitzengefühl. Die enorme Bedeutung der unbewußten Körpersignale können Sie begreifen ohne sie angefaßt zu haben. Wir alle senden und empfangen ununterbrochen körperliche Signale, ohne uns im Einzelnen bewußt Rechenschaft darüber zu geben. Dennoch bemerken wir genau, wenn jemand niedergedrückt wirkt auch wenn wir nicht bewußt erkennen, daß sich dieses Gefühl aus dem Anblick gebeugter Schultern, zusammengekauerten Dasitzens und hängender Mundwinkel bildet. Da nonverbales Verhalten zum großen Teil angeboren ist, müssen wir die richtige Interpretation der Signale nicht lernen. Wir verstehen sie intuitiv. Aber weil das meiste auf einer unbewußten Ebene abläuft, können wir mit dem Körper auch schwerer lügen als mit Worten. Wie leicht fällt es zu sagen: Ich mag dich wirklich! Aber wie schwer ist es, dem anderen dabei so in die Augen zu schauen, daß er Ihnen die Worte auch glaubt, wenn Sie nicht tatsächlich so empfinden. Das ist der Grund, warum jeder in solchen Fällen lieber den Körpersignalen glaubt als den Worten. Der Körper lügt nicht.
Was glauben Sie: Vertraut
sie Ihren Worten oder Ihren Gesten, die andeuten, daß Sie eigentlich
etwas anderes zu tun haben, als ihr eine halbe Nacht zuzuhören?
Die wenigsten
sind sich bewußt, daß sie mit einer einzigen unbedachten Geste die
Wirkung einer ganzen wohldurchdachten Rede zerstören können. Körpersprache
ist verräterisch. Sie enthüllt anderen unsere wahren Absichten. In
ihr drückt sich die Welt der Gefühle und Stimmungen aus. In ihr spricht
der stille, der nicht-rationale Teil unserer Seele. Genau genommen
ist sie nicht unsere Körper-, sondern Gefühlssprache.
Also Vorsicht bei jedem Versuch, Ihre wahren Ansichten durch klug gewählte Worte zu verbergen. Nicht immer verrät der Körper, was Sie wirklich denken, wohl aber, daß Ihre Worte nicht ehrlich sind. Und das genügt, um Mißtrauen zu säen. Ihre Gesprächspartner werden meistens zu höflich sein, um Ihnen den unguten Eindruck mitzuteilen. Aber wie man so schön sagt: Es bleibt etwas hängen. Und beim nächsten Gespräch wird man deutlich weniger Bereitschaft zeigen, sich von Ihnen überzeugen zu lassen. Manch einer würde gern seine
Mitmenschen manipulieren. Das dies nur selten gelingt, verdanken wir
unserer biologischen Ausstattung, die es nicht erlaubt, Mimik und
Gestik so bewußt und beliebig einzusetzen wie das gesprochene Wort.
Sind wir zu grenzenloser Offenheit verurteilt? Schließlich gibt es
doch Menschen, denen es recht gut gelingt, Ihre Absichten zu verschleiern.
Wenn ich beispielsweise schlechte Laune habe, muß ich dann alle Welt
mit meiner miesen Stimmung belasten? Wenn ich frisch verliebt bin,
muß ich unbedingt jedermann teilhaben lassen an meinem Hochgefühl?
Das müssen
Sie nicht. Sie können zwar nicht die Wirkung der Körpersprache außer
Kraft setzen, aber beeinflussen, wie Sie wirkt. Variante 1.
Variante 2.
In beiden Fällen nutzen Sie eine Begrenztheit der Körpersprache aus: Die Signale verraten zwar die wahren Gefühle, verschweigen aber, worauf Sie sich beziehen. Mißtrauen Sie allen Lehrbüchern über Körpersprache, die Ihnen einreden wollen, ein vorgestreckter Zeigefinger bedeute Angriffsabsichten und ein Kratzen am Ohrläppchen den Wunsch, etwas zu verbergen. Kein nonverbales Signal hat für sich genommen, irgendeine feste Bedeutung. Entscheidend ist immer der Gesamteindruck. Selbst das Lächeln kann außer Kontaktwunsch auch Verlegenheit, Bitte um Entschuldigung oder den Wunsch nach Beschwichtigung ausdrücken. Welche Interpretation zutrifft, hängt von den übrigen Gesten und der Körperhaltung ab. Was nutzt es, ein oder zwei einzelne Signale bewußt einzusetzen, wenn der übrige Körper der willentlich aufgesetzten Botschaft widerspricht? Der Schuß würde nach hinten losgehen und Antipathie hervorrufen. Wenn wir in den nächsten beiden Aufgaben von EGONet die wichtigsten Körpersignale vorstellen, deren Erscheinungsbild den Erfolg und die Attraktivität in der Kommunikation beeinflussen, so erinnern Sie sich bitte: Der Weg zu einer überzeugenden, natürlichen Körpersprache führt leichter vom Gefühl zum Signal als umgekehrt. ---> Artikel als Druckversion im *.rtf- Format downloaden <---
|
Ihre Immobilienanzeige bei Immonet.de. Ab jetzt 4 Wochen lang für nur Euro 14,95.