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100 Jahre Teddybär
Warum das Kuscheltier so beliebt ist

Ausgabe November 2002 /5. Jahrgang

 

Er kuschelt gern und guckt so lieb mit seinen Knopfaugen, daß nicht nur Kinderherzen höher schlagen – der Teddybär. Am 26. Oktober feiert er seinen 100. Geburtstag. Anlaß für EGO-Net, einmal zu fragen, welche menschlichen Bedürfnisse das kleine Plüschtier so überaus erfolgreich befriedigt.

 

Richard Steiff (1877 - 1938) aus Giengen an der Brenz in Baden-Württemberg bastelte nach einem Zirkusbesuch ein kleines Bärchen aus Stoff. Seine Tante Margarethe war eine erfolgreiche Stofftierfabrikantin und ließ die ersten Bären in ihrem Betrieb herstellen. Sie hießen PB - P stand für Plüsch, B für bewegliche Arme, Beine und Kopf. Sie stellte ihre Bären auf der Leipziger Messe aus und nichts passierte. Die Besucher und Geschäftsleute ließen die kleinen Schmuser unbeachtet liegen.

Erst am letzten Messetag zeigte ein US-Händler Begeisterung und bestellte 3000 Stück. Mit dem Import der ersten Stoffbären in die USA begann sein Triumphzug. Amerika verdankt er auch seinen Namen. Der US-Präsident Theodor Roosevelt (1858-1919) hatte es einmal beim Jagen nicht übers Herz gebracht, ein niedliches Bärenbaby zu töten. Daraufhin wurde er in Karikaturen mit dem Bärenkind dargestellt. Da der Vorname des populären Präsidenten häufig zu "Teddy" verkürzt wurde, hat man bald die kleinen Stoffbären ebenso genannt.

Warum wecken die niedlichen Racker in uns so tiefe Gefühle? Vor einem halben Jahrhundert fand der amerikanische Biologe H. F. Harlow eine unerwartete Antwort. Bei jungen Rhesusäffchen, die ohne ihre leibliche Mutter aufgezogen wurden, machte er folgende verblüffende Entdeckung. Ließ man ihnen die Wahl zwischen einem Drahtgestell mit einer Milchflasche oder einem Stoffimitat ohne Nahrung, so bevorzugten sie alle die fellbezogene Attrappe und waren dafür bereit, die nährende Milch stehen zu lassen. Lieber hungern als auf das Kuscheln verzichten!

Bis dahin hatte man geglaubt, ein Baby, das ausreichend Nahrung erhält, sei mit allem versorgt, was es braucht. Erst nach Harlows Experiment entdeckten Psychologen, daß Kinder ohne Berührungen und mütterliche Nähe schwere Entwicklungsschäden erleiden können. Erfahrene, einfühlsame Mütter warteten freilich nicht das Umdenken der Wissenschaftler ab. Der Schmuseteddy war längst ein unverzichtbarer Begleiter vieler Kinderstuben geworden. Auch Menschenkinder mögen ein flauschiges Fell - ein Urinstinkt aus der Zeit, als unsere Vorfahren noch ein Fell trugen. Das Schmusen mit dem Teddy beruhigt und entspannt das Kind. Die Erinnerung an glückliche, sorgenfreie Kindertage läßt auch viele Erwachsene Teddys hegen und pflegen.

Die 26jährige TV-Schauspielerin Alexandra Neldel ist Single. Sie spricht nicht von einem Mann, sondern ihrem Teddy, wenn sie sagt: "Er ist so schön kuschelig weich und lacht immer. Er hört mit immer zu und widerspricht nie." Auch Ingrid Steeger, Bernd Stelter, Fritz Egner und der Zeitmanagementexperte und Bestsellerautor Lothar Seiwert sind bekennende Teddyfans.

Mehr als 5 Milliarden der kleinen Kunstbären haben seither das Licht der Welt erblickt. Welcher "echten" Tierart gelang ein solcher Vermehrungserfolg? Für manche der frühen Teddys zahlen Liebhaber auf Auktionen stolze Preise. Der Rekord liegt bei über 150 000 Euro für einen 40 Zentimeter großen Bär aus den Jahren 1926/27, ersteigert im Juni von der Amerikanerin Barbara Baldwin.

Also keine Sorge: Auch in den kommenden 100 Jahren ist der Teddybär garantiert nicht vom Aussterben bedroht.

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von Günther Pfeiffer

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