Richard Steiff (1877 -
1938) aus Giengen an der Brenz in Baden-Württemberg
bastelte nach einem Zirkusbesuch ein kleines Bärchen
aus Stoff. Seine Tante Margarethe war eine erfolgreiche
Stofftierfabrikantin und ließ die ersten Bären
in ihrem Betrieb herstellen. Sie hießen PB - P stand
für Plüsch, B für bewegliche Arme, Beine
und Kopf. Sie stellte ihre Bären auf der Leipziger
Messe aus und nichts passierte. Die Besucher und Geschäftsleute
ließen die kleinen Schmuser unbeachtet liegen.
Erst am letzten Messetag zeigte ein US-Händler Begeisterung
und bestellte 3000 Stück. Mit dem Import der ersten
Stoffbären in die USA begann sein Triumphzug. Amerika
verdankt er auch seinen Namen. Der US-Präsident Theodor
Roosevelt (1858-1919) hatte es einmal beim Jagen nicht übers
Herz gebracht, ein niedliches Bärenbaby zu töten.
Daraufhin wurde er in Karikaturen mit dem Bärenkind
dargestellt. Da der Vorname des populären Präsidenten
häufig zu "Teddy" verkürzt wurde, hat man bald
die kleinen Stoffbären ebenso genannt.
Warum wecken die niedlichen Racker in uns so tiefe Gefühle?
Vor einem halben Jahrhundert fand der amerikanische Biologe
H. F. Harlow eine unerwartete Antwort. Bei jungen Rhesusäffchen,
die ohne ihre leibliche Mutter aufgezogen wurden, machte
er folgende verblüffende Entdeckung. Ließ man
ihnen die Wahl zwischen einem Drahtgestell mit einer Milchflasche
oder einem Stoffimitat ohne Nahrung, so bevorzugten sie
alle die fellbezogene Attrappe und waren dafür bereit,
die nährende Milch stehen zu lassen. Lieber hungern
als auf das Kuscheln verzichten!
Bis dahin hatte man geglaubt, ein Baby, das ausreichend
Nahrung erhält, sei mit allem versorgt, was es braucht.
Erst nach Harlows Experiment entdeckten Psychologen, daß
Kinder ohne Berührungen und mütterliche Nähe
schwere Entwicklungsschäden erleiden können. Erfahrene,
einfühlsame Mütter warteten freilich nicht das
Umdenken der Wissenschaftler ab. Der Schmuseteddy war längst
ein unverzichtbarer Begleiter vieler Kinderstuben geworden.
Auch Menschenkinder mögen ein flauschiges Fell - ein
Urinstinkt aus der Zeit, als unsere Vorfahren noch ein Fell
trugen. Das Schmusen mit dem Teddy beruhigt und entspannt
das Kind. Die Erinnerung an glückliche, sorgenfreie
Kindertage läßt auch viele Erwachsene Teddys
hegen und pflegen.
Die 26jährige TV-Schauspielerin Alexandra Neldel ist
Single. Sie spricht nicht von einem Mann, sondern ihrem
Teddy, wenn sie sagt: "Er ist so schön kuschelig weich
und lacht immer. Er hört mit immer zu und widerspricht
nie." Auch Ingrid Steeger, Bernd Stelter, Fritz Egner und
der Zeitmanagementexperte und Bestsellerautor Lothar Seiwert
sind bekennende Teddyfans.
Mehr als 5 Milliarden der kleinen Kunstbären haben
seither das Licht der Welt erblickt. Welcher "echten" Tierart
gelang ein solcher Vermehrungserfolg? Für manche der
frühen Teddys zahlen Liebhaber auf Auktionen stolze
Preise. Der Rekord liegt bei über 150 000 Euro für
einen 40 Zentimeter großen Bär aus den Jahren
1926/27, ersteigert im Juni von der Amerikanerin Barbara
Baldwin.
Also keine Sorge: Auch in den kommenden 100 Jahren ist
der Teddybär garantiert nicht vom Aussterben bedroht.
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