Beneiden Sie manchmal
nimmermüde Allround-Arbeiter um ihren unerschöpflichen
Elan? Psychologen haben herausgefunden, daß sie im
Schnitt nicht über mehr Energie und Fitness verfügen
als andere. Ihr Vorteil ist ein anderer. Sie verfügen
über Strategien, die üblichen Motivationsbremsen
außer Kraft zu setzen. Sie wissen: Niemand schwebt
ununterbrochen auf einer Welle der Mühelosigkeit. Aber
es gelingt ihnen immer wieder, sich aus der Trägheitsfalle
emporzuschwingen.
Motivationsbremse 1: Die Ich sollte-Diktatur
Ich sollte bis abends im Büro sitzen, sonst
hält mich mein Chef für faul.
Ich sollte die Rede auswendig lernen, sonst denken
die Leute, ich nehme sie nicht ernst.
Ich sollte einmal in der Woche mit meiner Frau ausgehen,
damit sie sich nicht vernachlässigt fühlt.
Haben Sie auch derartige Ich sollte-Sätze?
Was Sie auch glauben, was Sie unbedingt tun sollten
nichts ist tödlicher für die Motivation als selbst
auferlegter Zwang. Ahnen Sie, was passiert, wenn Sie die
drei oben genannten Gebote befolgen?
-
Während der Überstunden vergeht Ihnen endgültig
die Lust am Job. Ihre Unlust strahlt auf die Mitarbeiter
aus. Sie schaffen immer weniger, benötigen aber
immer mehr Zeit. Der Burnout droht.
-
Sie martern Ihr Gedächtnis stundenlang mit dem
einzigen Resultat, daß Sie Ihren Vortrag herunterleiern,
weil Sie nicht mehr mitdenken, sondern nur darauf achten,
ja nicht steckenzubleiben. Ergebnis: Hoher Zeitaufwand
für eine einschläfernde Rede.
-
Ihre Frau merkt, daß Sie mit dem Abend im Restaurant
nur eine Pflicht absolvieren. Sie ist sauer und
Sie sind es ebenfalls, weil sie Ihre gute Absicht nicht
zu würdigen weiß.
Ein weiteres Problem: Ich sollte-Sätze
verstellen den Blick auf sinnvolle Alternativen. Ein Sollen
stammt immer aus einer fremden Norm, erfunden für eine
Durchschnittsallgemeinheit. Da Sie ein einzigartiges Individuum
sind, kann sie gar nicht hundertprozentig passend für
Sie sein.
Warum sind wir dann aber so leicht bereit, Soll-Sätze
zu übernehmen und uns an ihnen abzustrampeln? Weil
wir im tiefsten Innern unsicher sind, ob wir den richtigen
Weg eingeschlagen haben. Weil wir Angst haben zu versagen
und anzuecken. Um nicht allein im Regen zu stehen, tun wir
einfach, was man tun soll. Das ist bequem, aber
nicht sehr kreativ und deshalb auch nicht erfolgversprechend.
Unser Tip: Viele Wege führen nach Rom. Treten
Sie innerlich zurück und überlegen Sie sich Alternativen.
Was wäre, wenn Sie genau das Gegenteil unternehmen
würden?
-
Statt eifrig Überstunden herunterzureißen,
gönnen Sie sich eine Auszeit. Sie legen sich ein
paar Stunden faul auf den Balkon, toben mit den Kindern
herum oder starten mit der Familie zu einer Radtour.
Und machen die verblüffende Entdeckung, daß
Sie in der verkürzten Arbeitszeit mit Lust das
Doppelte schaffen.
-
Statt eine Rede auswendig zu lernen, notieren Sie
lediglich eine Gliederung und entwickeln Ihre Ideen
aus dem Stegreif. Daß Sie sich versprechen oder
stecken bleiben, nehmen die Zuhörer nicht als Schwäche,
sondern als Beweis, daß Sie mitdenken und sich
um die treffendste Formulierung bemühen. Aus einem
müden Monolog wird ein lebendiger Vortrag. Sie
erleben zum ersten Mal nach Ihrem Auftritt eine spannende
Diskussion.
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Sie bleiben mit Ihrer Frau lieber zu Haus und erzählen
ihr von Ihren Schwierigkeiten, Arbeit und Privatleben
unter einen Hut zu bringen. Sie werden sehen: sie zeigt
mehr Verständnis, als Sie zu hoffen wagten. Statt
Forderungen zu stellen, wird Sie Ihnen Unterstützung
anbieten.
Motivationsbremse 2: Reizüberflutung und Gleichförmigkeit
Sie kennen den Spruch Nichts ist schwerer zu ertragen
als eine Folge von schönen Tagen? Die schönsten
Dinge der Welt werden schal, wenn wir sie im Übermaß
genießen. Das Neue, Ungewohnte motiviert uns stärker
als das Vertraute. Routine macht faul. Was wir kennen, von
dem gehen keine Gefahren aus, aber auch keine Überraschung.
Wir werden nur dann aktiv, wenn Verluste drohen oder neue
Erfolge winken.
Nun ist bei vielen Tätigkeiten ein Routineanteil
gar nicht zu vermeiden. Wer ein Virtuose auf der Violine
werden möchte, muß viele Stunden täglich
Läufe, Tonleitern und Etüden üben. Wer eine
Fremdsprache perfekt beherrschen möchte, büffelt
Vokablen und Grammatikregeln bis zum Abwinken. Wer einen
Marathon durchstehen will, legt mindestens ein halbes Jahr
lang Woche für Woche an die sechzig Kilometer im Dauerlauf
zurück. Dazu kommen Stretching, Kraftübungen ...
immer nach dem gleichen Muster ...
Spezialistentum bringt Einseitigkeiten mit sich. Wenn
die Motivation sinkt wenn Sie am liebsten die Violine
im Kasten, das Sprachlehrbuch im Regal und die Laufschuhe
im Schrank lassen würden wird es Zeit, Ihren
Übungsplan zu umzustellen.
Unser Tip: Finden Sie die Mitte zwischen Überraschung
und Langeweile:
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Variieren Sie Ihren Tagesablauf, üben und arbeiten
Sie mal zu anderen Zeiten.
-
Üben Sie wenigstens einige Tage nach einem anderen
Lehrbuch, spielen Sie andere Musikstücke, schwimmen
Sie oder fahren Sie Rad statt zu rennen. Nach einigen
Tagen kehren Sie mit neuer Begeisterung zu den alten
Übungen zurück.
-
Verabschieden Sie sich vom Perfektionismus. Beißen
Sie sich nicht fest an besonders schwierigen Details.
Sie machen auch dann Fortschritte, wenn Sie eine neue
Aufgabe schon in Angriff nehmen, bevor Sie die vorige
aus dem Effeff beherrschen.
-
Arbeiten und proben Sie ab und zu mal mit Gleichgesinnten
auch wenn Sie dafür Abstriche an Ihrem Übungsniveau
in Kauf nehmen müssen. Der erlebte Gleichklang
mit Leuten, die die gleichen Vorlieben teilen, gibt
Ihrem Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein, ungeahnten
Auftrieb.
Motivationsbremse 3: Sich verzetteln
Leben Sie nach dem Spruch Nur Kleingeister halten
Ordnung, das Genie überblickt das Chaos? Wenn
Sie hoffen, auf diesem Weg alle Konkurrenten mit Ihrer Kreativität
zu überrunden: Lesen Sie mal die Biographien von Nobelpreisträgern,
egal ob für Physik oder Literatur. Sie werden sehen,
ohne ein gewisses Maß an Systematik wären sie
nie ans Ziel gekommen. Ohne klare Ziele und eine effektive
Strategie, um vom Ist- zum Soll-Zustand zu gelangen, hätten
sie unterwegs zuviel Energie für Nebensächliches
verschwendet.
Auch hier gilt es, die richtige Balance zu finden. Wer
nur auf sein Ziel losrennt, ohne nach links und rechts zu
schauen, legt sich mit der Zeit Scheuklappen an. Er verliert
die Fähigkeit, interessante Anregungen von unerwarteter
Seite aufzunehmen. Abkürzungen und glückliche
Zufälle zu erkennen.
Angeblich haust der kreative Künstler in einer Art
zugemülltem Partykeller, stiert tagelang verzweifelt
auf ein leeres Blatt Papier, um dann nach Wochen alkoholvernebelter
Lethargie in einem schöpferischen Fieberfall innerhalb
einer schlaflosen Woche ein Meisterwerk in die Tasten zu
hauen. Das ist ein von den Künstlern erfundenes Klischee.
Es gibt Auskunft über das Ausmaß ihres Selbstmitleids
und ihrer Minderwertigkeitskomplexe, aber nicht über
ihre tatsächliche Arbeitsweise. Gustave Flaubert behauptete
mal, er verbringe einen ganzen Nachmittag, um ein Komma
wieder auszustreichen, das er am Morgen mühsam hingeschrieben
habe. Wenn das wahr wäre wie sind dann seine
Romane Madame Bovary, Salambo und Die
Erziehung der Gefühle (jeweils 400-500 Seiten
dick) aus seinem Kopf auf das Papier gelangt?
Hemingway ging auf Afrikasafari, zu Stierkämpfen,
auf Fischfang vor Key West, kämpfte im spanischen Bürgerkrieg
und verbrachte viele Nächte in rauchigen Bars
aber jeden Tag schrieb er an seinen Reportagen und Romanen,
in denen er weniger erlebnislustigen Lesern von seinen Abenteuern
berichtete. Sein Rezept: jeden Tag tausend Wörter und
am Ende des Arbeitstages einen Text nicht zu Ende schreiben,
sondern mittendrin aufhören, an einer Stelle, an der
man am nächsten Tag sofort wieder in Fluß kommt.
Ob Thomas Mann oder Stephen King: die produktiven Autoren
setzen sich jeden Vormittag zur gleichen Zeit an ihren Schreibtisch
und stehen nicht eher auf, bis sie ein bestimmten Pensum
geleistet haben.
Unser Tip: Organisieren Sie Ihren Arbeitstag systematisch
und flexibel zugleich.
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Verplanen Sie nur die Hälfte Ihrer Zeit in festen
Terminen. Die andere Hälfte liefert Ihnen den nötigen
Freiraum für kurzfristige Zusatzaufgaben, aber
auch für Weiterbildung und spontane Aktivitäten,
die Ihnen Erholung und neue Horizonte eröffnen.
-
Formulieren Sie Ihre konkrete, abrechenbare Ziele.
Nähern Sie sich ihnen Schritt für Schritt,
nicht in Hau-ruck-Aktionen.
-
Planen Sie auch Zeit für Entspannung und bloßes
Nichtstun. Halten Sie Ihren Körper fit. Bilden
Sie sich weiter, auch wenn Sie viele Informationen,
die Sie aufnehmen, nicht sofort praktisch ausnutzen
können. Denken Sie langfristig.
Motivationsbremse 4: Einzelkämpfermentalität
Die Medien pflegen das Bild des starken Einzelgängers,
der sich gegen die Widerstände einer ignoranten Umwelt
ganz allein an die Spitze vorkämpft. Nichts ist falscher.
Ob amerikanischer Präsident, Pop-Star oder erfolgreicher
Firmengründer wie Bill Gates: sie alle wären nichts
geworden ohne ihr Team von Helfern, Agenten, Managern und
Freunden.
Es geht nicht nur darum, daß vier Köpfe mehr
Einfälle produzieren als zwei oder eins. Oder daß
ein Team verschiedene Stärken seiner Mitglieder kombiniert.
Sondern:
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Leute, die für ein Ziel zusammenarbeiten, feuern
einander an.
-
Sie bestärken einander in der Überzeugung,
das es lohnt, weiter zu machen.
-
Die Aktivität des einen reißt den anderen
mit.
Der berühmte Name, der an die Öffentlichkeit
gelangt, ist nur das Aushängeschild, hinter dem
sich der Erfolg einer effektiv kooperierenden Gruppe
verbirgt.
Wer den Sprung an die Spitze schafft, verfügt
nicht über mehr Genie als die vielen kleinen Talente,
die in ihrem Schatten weiter kämpfen. Was ihnen
fehlt, ist das perfekt organisierte Team von Partnern,
die ihnen Kollegen und Freunde zugleich sind. Denn die
wenigsten Erfolge werden über Nacht errungen. Selbst
junge Idole im Teenageralter wie Britney Spears haben
eine jahrelange Tretmühle durch kleine Bühnen,
Castings, Schauspiel- und Tanzausbildung hinter sich.
Ohne helfende Stimmen Du schaffst es, wir bleiben
an deiner Seite hält das niemand lange durch.
Freunde helfen über Tiefpunkte und Selbstzweifel
hinweg.
Unser Tip: Igeln Sie sich nicht ein. Lösen
Sie sich von der Idee, Ihre Leistung sei nur dann ganz
Ihr Verdienst, wenn Sie sie ohne fremde Hilfe, vollbringen.
Das Gegenteil ist der Fall. Erst in der Fähigkeit,
sein Talent mit anderen Talenten zu einer neuen, vielfach
leistungsstärkeren Einheit zusammenzuschweißen,
zeigt sich der wahre Meister.
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Üben Sie Ihre Kontakt- und Kommunikationstalente.
Halten Sie Ausschau nach Verbündeten und nutzen
Sie jede Gelegenheit für eine Zusammenarbeit im
gegenseitigen Interesse. Planen Sie Zeit für regelmäßige
Kontaktpflege ein.
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Andere streben nach denselben Zielen wie Sie? Kooperieren
Sie mit Ihren Mitbewerbern statt Sie zu bekämpfen.
So gewinnen Sie Energie, statt sie in Auseinandersetzungen
zu verzetteln, aus denen ein dritter Mitbewerber als
lachender Sieger hervorginge.
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Lassen Sie andere an ihren Erfolgen teilhaben. So
daß eine Spur Ihres Glanzes auch auf Ihre Helfer
fällt. Das hebt die Motivation der ganzen Truppe.
Motivationsbremse 5: Niederlagen und unfaire Angriffe
Wo wir scheitern, überfällt uns Mutlosigkeit.
Gegen negative Erfahrung können Sie sich nur schwer
wappnen. Und dennoch: Entgegen dem Sprichwort ist aller
Anfang leicht. Ob es sich um eine Diät oder einen Sprachkurs
handelt: Zunächst erzielen Sie schnelle Fortschritte.
Sie verleihen Ihnen Flügel. Leider bleibt es nicht
beim Anfängerglück. Bei der Diät stellt sich
der Jo-jo-Effekt in den Weg, beim Sprachkurs die wachsende
Schwierigkeit der Grammatik und der Zwang, den früheren
Stoff ständig wiederholen zu müssen.
Nicht nur wir selbst, sondern auch unsere Mitmenschen
haben die fatale Neigung, Erfolge als selbstverständlich
hinzunehmen, jedes Mißlingen aber mit Schadenfreude
oder Ärger zu kommentieren. Jedes Negativerlebnis drückt
auf die Motivation. Über achtzig Prozent der Menschen,
die optimistisch auf ein Ziel losgestürmt sind, werfen
nach den ersten ein, zwei größeren Pleiten die
Flinte ins Korn. Wenn dann noch Freunde und Kollegen einstimmen
Ich habe es dir ja gleich gesagt, das ist nicht zu
schaffen verzichten sie schnell auf eine zweite Chance.
Hinter den Angriffen Ihrer Mitmenschen auch wenn
Sie sich als Mitgefühl und Trost maskieren verbirgt
sich Neid auf Ihre Zielstrebigkeit. Was Sie auch in Angriff
nehmen: richten Sie sich darauf ein, daß auf dem Weg
nach vorn unerwartete Hürden auftauchen werden. Und
Mitmenschen, die Sie auslachen oder kritisieren.
Unser Tip: Verschaffen Sie sich einen realistischen
Blick. Schon das Wagnis, Ziele zu setzen und in Angriff
zu nehmen, ist lobenswert und hebt sie aus der Masse heraus.
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Notieren Sie täglich Ihre Erfolge und Mißerfolge.
Vergessen Sie auch scheinbar selbstverständlichen
Kleinigkeiten nicht. Sie werden sehen: die Zahl der
gelungenen Taten ist im Vergleich zu den Pleiten weitaus
höher als Sie annahmen.
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Rechnen Sie von vornherein mit dem Mißlingen
einzelner Schritte. Lassen Sie sich von Rückschlägen
nicht entmutigen. Selbst wenn Sie sich eine Sucht abgewöhnen
wollten und rückfällig wurden jeder
Tag, den Sie ohne Zigaretten, Heißhunger usw.
überstanden, ist ein Gewinn für Ihre Gesundheit.
Das ist besser als gar nichts, oder? Setzen Sie einfach
von neuem ein. Mit jedem Versuch kommen Sie einen Schritt
weiter.
-
Wenn sie angegriffen und kritisiert werden: Nehmen
Sie die Worte nicht für bare Münze. Fragen
Sie sich nach den Motiven, die den Angreifer zu seiner
Äußerung trieben. War es wirklich uneigennützige
Sorge um Ihr Wohl? Warum rät er Ihnen dann ab,
statt Sie zu ermutigen? Denken Sie ruhig über sachliche
Hinweise nach, die in der Kritik enthalten sind. Aber
alle Bausch-und-Bogen-Ratschläge (Ohne langjähriges
Studium schafft das keiner, Dafür bist
du viel zu alt/jung/dick/dünn/ungebildet/sensibel
...) können Sie getrost ignorieren.
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