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Ausgabe 05/2000
Unser Titelthema:
Blumensprache
Die geheime Bedeutung von Farben und Blüten

Der Mai ist der Frühlingsmonat, indem alles grünt und blüht. Was liegt da näher, als mit Blumen Botschaften des Herzens zu übermitteln. Aber wissen Sie, was Ihnen der Absender einer Anemone oder einer weißen Nelke mitteilen will? EGONet sagt es Ihnen durch die Blume.
 
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Zwischen Fremdheit und Geborgenheit

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Die Ursprünge der Kunst, mit einer klugen Auswahl von Blüten eine unausgesprochene Herzensbotschaft zu übermitteln, liegen im Dunkeln. Wahrscheinlich kommt sie aus dem antiken Persien und erreichte von dort die Serails der mittelalterlichen Sultane. Sehr genau bekannt ist dagegen, wie diese Kunst nach Europa kam. Die von 1689 bis 1762 lebende Lady Mary Wortley Montagu berichtete darüber in ihren 1718 veröffentlichen Briefen aus dem Orient. Vorher wurden Blumen zwar bereits als Zeichen der Liebe und Galanterie geschenkt, doch von nun an gewannen Blüten in der höfischen Kultur des Rokoko eine nie geahnte Verfeinerung. Es entstand ein umfangreiches Zeichensystem, fast so kompliziert wie eine Fremdsprache.

Der Orient war Anfang des 18. Jahrhunderts in Mode gekommen. Der Jurist und Philosoph Montesquieu veröffentlichte seine persischen Briefe, der Philosoph Diderot ließ seinen Roman "Die geschwätzigen Kleinode" im Harem eines Sultans handeln - obwohl jeder unschwer hinter der Maskierung den französischen Königshof erkannte. Lady Montague reiste in die Türkei und erlangte als Frau Zutritt in Harems, wo sie die Kommunikation per Blüten entdeckte. Beim europäischen Adel löste sie damit eine neue Mode aus. Was heute nüchtern "Blumensprache" genannt wird, hieß damals "Selam", abgeleitet von dem türkischen Wort Selamlik, das den öffentlich zugänglichen Teil des orientalischen Hauses bezeichnete, also jenen Teil, der nicht der Harem war.

"Selam", das war nicht nur ein Alphabet der Blumenarten und Farben, sondern auch die Kunst, Pflanzen in einer bestimmten Weise zu arrangieren. Vorwürfe, Streitigkeiten, Leidenschaften, Liebe, Freundschaft, Verabredungen, kleine Geheimnisse - alles ließ sich mit Blumen sagen, ohne daß der Absender eine einzige Zeile schreiben mußte. Wurden verschiedene Blüten miteinander kombiniert, änderte sich die Bedeutung - so wie in Wortbedeutungen sich ändern je nach dem Satz, indem sie vorkommen. Manche Bedeutungen waren erstaunlich präzise. Ging es beispielsweise um ein Rendezvous, schlugen verwelkende Rosen die erste Stunde vor, Heliotropen die zweite usw.

Ein Standardwörterbuch der Blütensprache hat es nie gegeben. Großen Einfluß gewann jedoch das 1816 erschienene Werk Les Emblèmes des fleurs (Die Blumensprache) von Charlotte de Latour (ein Pseudonym, die Autorin hieß mit bürgerlichem Namen Louise Cortambert). Das Buch avancierte zum Bestseller, wurde in ganz Europa und sogar in Amerika übersetzt. Noch bei Balzac findet sich sein Einfluß. In seinem Roman "Die Lilie im Tal" teilt der Held seiner Geliebten seine Gefühle mit zwei Blumensträußen mit.

Und heute? Daß es so etwa wie eine Blumensprache gibt, hat wohl jeder schon gehört. Mn weiß, rote Rosen sprechen von Liebe und werden nur der Dame des Herzens, nicht aber dem Chef zum 60. Geburtstag überreicht. Auch daß es gilt, mit weißen Blüten (außer Margeriten)vorsichtig zu sein, weil sie Begräbnissen vorbehalten sind, wissen noch viele. Weiße Blumen als Mitbringsel bei Krankenbesuchen haben daher etwas Makabres. Falls Sie bisher ratlos in Blumengeschäften standen und überlegten, was zu einem bestimmten Anlaß der passende Strauß ist - hier eine kleine Entscheidungshilfe mit einer Auswahl aus der klassischen Blumensprache:

Alpenveilchen

Deine Schönheit ist beneidenswert.

Anemone

Ich harre aus. (oder: Ich kann warten.)

Dalien

Ich bin dir dankbar.

Weißer Flieder

Sanfte Gefühle, Zuneigung.

Dunkler Flieder

Mein Herz gehört dir.

Fuchsie

Ich gehöre dir.

Gladiole

Ich möchte mich mit dir verabreden.

Hyazinthe

Ich bin dir auf ewig treu.

Iris

Ich habe gute Neuigkeiten.

Lilie

Meine Gefühle sind rein.

Azalee

Wie herrlich ist es zu lieben!

Blaue Kornblume

Verlaß dich auf meine Verschwiegenheit.

Kamelie

Ich bin beständig.

Kapuzinerkresse

Meine Leidenschaft ist heiß.

Klatschmohn

Meine Hitze kann leicht vergehen.

Krokus

Ich sterbe vor Unruhe.

Maiglöckchen

Das Glück kehrt zurück.

Margerite

Liebst du mich?

Narzisse

Schluß mit der Koketterie!

Weiße Nelke

Leidenschaftlich und treu.

Rote Nelke

Ich begehre dich, kann aber nicht treu sein.

Orchidee

Raffinesse (Liebe festlich zelebriert)

Pfingstrose

Ich muß dir ein Geständnis machen.

Stiefmütterchen

Ich träume von dir.

Gelbe Ringelblume

Warum quälst du mich?

Weiße Rose

Ich liebe dich heimlich.

Gelbe Rose

Ich verzeihe dir.

Rosa Rose

Ich liebe dich zärtlich.

Rote Rose

Ich bin verrückt nach dir.

Welkende Rosen

Wir müssen uns treffen, Brief folgt.

Sonnenblume

Ich habe nur Augen für dich.

Tausendschön

Meine Gefühle sind nicht zu erschüttern.

Schwarze Tulpe

Ich tue alles für dich.

Rote Tulpe

Du bist unwiderstehlich.

Veilchen

Ich bin zu schüchtern, um dir meine Gefühle zu gestehen.

Vergißmeinnicht

Vergiß mich nicht.

Weißdorn

Seien wir vorsichtig (daß keiner unser Geheimnis entdeckt).

Nun, wissen Sie jetzt, wie Ihr nächster Blumenstrauß aussehen wird? Falls Sie die eine oder andere Blume nicht kennen - Ihr Blumenhändler hilft Ihnen sicher weiter. Aber wird der Empfänger Ihrer Botschaft Sie auch verstehen? Eine Sprache funktioniert wie jede Form der Kommunikation nur, wenn sowohl der Absender als auch der Empfänger ihre Zeichen deuten können. Aber vielleicht drucken Sie ja unser kleines Wörterbuch der Blumensprache aus und überreichen es als Gebrauchsanweisung zusammen mit Ihrem Strauß? Und wenn Sie dann am nächsten Tag einen Strauß als Antwort erhalten, sind Sie schon zwei, die die Blumensprache beherrschen.

 

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