Unsere Haut ist ein wahres Wunderwerk der Natur. Sie bildet
eine Barriere und zugleich die Kontaktfläche zwischen unserem Innern
und der Außenwelt. Das bedeutet, daß sie beispielsweise Atemluft
durchlassen, aber viele andere Stoffe und Krankheitserreger von uns fern
halten muß. Zugleich muß sie uns vor dem Austrocknen schützen
- aber ebenso Informationen über den Tastsinn von außen hereinlassen.
Um diese widersprüchlichen Funktionen gleichzeitig erfüllen
zu können, hat sie im Laufe der Evolution eine komplizierte Struktur
entwickelt.
"Die" Haut besteht eigentlich aus drei Häuten - der Oberhaut,
Lederhaut und Unterhaut - die selbst wieder aus mehreren Schichten bestehen.
In der Oberhaut sind das zum Beispiel
die Hornschicht, die uns vor UV-Strahlung, Wasserverlust und schädlichen
Substanzen schützt
die Körnerschicht, in der die Hornsubstanzen gebildet werden
die Stachelzellschicht, die für die Elastizität der Haut
sorgt, und
die Keimschicht, in der durch Zellteilung junge Zellen nachwachsen,
die später abgestorbene Zellen der Oberfläche ersetzen.
In der Haut befinden sich außerdem Talg-, Duft- und Schweißdrüsen,
Nervenzellen und Blutgefäße. Als zusätzlichen Schutz
bringt sie zudem Pigmente, Nägel und Haare hervor. Ihre Oberfläche
schützt sie außerdem durch einen Säureschutzmantel.
Sein pH-Wert liegt bei etwa 5. Pflegeprodukte, die in der Werbung mit
dem Attribut "pH-neutral" angeboten werden, können für empfindliche
Haut zu alkalisch sein und den Säureschutzmantel angreifen. Das
öffnet chemischen und physikalischen Einwirkungen von außen
den Weg nach innen und greift die oberste Hautschicht an. Normale Haut
gleicht den Unterschied wieder aus - vorausgesetzt, man mutet ihr nicht
mehr als eine Seifenattacke am Tag zu. Als der Mensch sich in der Evolution
entwickelte, gab es keine Seife. Unsere Haut ist folglich auf die Reinigung
mit bloßem Wasser optimiert. Hautidentische pH-5-Pflegeprodukte
erhalten Sie in der Apotheke.
Obwohl die Kosmetikindustrie eine Unmenge raffinierter Produkte auf
den Markt brachte und ständig neue Erfindungen präsentiert,
bleiben sich die Fachleute in einem einig: Die mit Abstand effektivste
Hautpflege sind frische Luft und Spaziergänge (oder Ausdauersport).
Das künstliche Klima der Wohnungen mit gleichbleibenden 22 Grad
ohne nennenswerte Luftzirkulation ist dagegen Gift für die Haut.
Ebenso der Bewegungsmangel. Beides vermindert den Selbsterneuerungsprozeß
der Haut. Dadurch sammeln sich an ihrer Oberfläche abgestorbene,
ausgetrocknete Zellen und mit ihnen Hautgifte, wie freie Radikale. Falsche
Ernährung verursacht schließlich eine Unterversorgung der
Haut mit wichtigen Substanzen, ohne die sie sich nicht ausreichend regenerieren
kann.
Pflegeprodukte wurden - neben rein kosmetischen Zwecken - entwickelt,
um die Sünden unserer sitzenden Lebensweise auszugleichen:
Peelings helfen beim Abtransport alter Zellen nach.
Feuchtigkeitscremes gleichen die Austrocknung aus.
Masken sowie vitamin- und enzymhaltige Cremes versorgen die Haut mit
wichtigen Nährstoffen.
Manche äußeren Einflüsse sind schädlich und nützlich
zugleich. In den Medien wird seit einigen Jahren vor Sonnenlicht gewarnt,
weil sein UV-Anteil die Hautalterung beschleunigt und Hautkrebs auslöst.
Natürliches Sonnenlicht ist aber auch eine Quelle von Gesundheit.
Es reguliert unsere biologische Uhr und damit viele Körperfunktionen,
es ist ein effektiver Stimmungsaufheller und unverzichtbar für
die Produktion des lebenswichtigen Vitamin D. Jüngere Forschungen
zeigten außerdem, daß nicht nur Menschen, die als Kind öfter
einen Sonnenbrand erlitten, später ein höheres Hautkrebsrisiko
haben, sondern auch Kinder, die überhaupt nicht an die Sonne durften.
Übermaß und Mangel sind gleichermaßen von Übel.
Deshalb bietet die Industrie Pflegeprodukte mit eingebautem UV-Filter
an. Langwellige UV-A-Strahlung, die selbst durch Glasscheiben dringt,
ist am gefährlichsten. Das kurzwelligere UV-B-Licht bremst die
Haut durch Bildung von Pigmenten, also Hautbräunung ab. Das sichtbare
Licht der Sonne ist hingegen ausgesprochen gesund und ein vorzügliches
Mittel gegen depressive Stimmungen. Es wird in der Medizin als "Lichttherapie"
eingesetzt, um Depressionen zu heilen.
Welche Vitamine der Haut nützen, darüber berichteten wir
vor zwei Jahren. (Sie finden den Artikel hier.)
Auch manche Enzyme, wie das als Faltenkiller und Zellenkraftwerk berühmte
Co-Enzym Q10, haben sich als Jungbrunnen erwiesen. Bei allen von außen
zugeführten Wirkstoffen - egal, ob Natursubstanzen oder künstliche
aus dem Chemielabor - müssen aber mögliche Nebenwirkungen
beachtet werden. Einige von ihnen können Allergien auslösen.
Aber selbst die harmlosen Vitamine sollten vorsichtig dosiert werden.
Beispielsweise Vitamin A, das Falten vorbeugt, weil es (zu Vitamin-A-Säure
umgebaut) die Zellteilung und Kollagenbildung in Gang bringt. Es macht
die Haut lichtempfindlicher, sollte also immer in Kombination mit UV-Filter
angewandet werden.
Vorsicht ist auch bei Hormonprodukten geboten. Östrogencremes
(nur auf Rezept) sind zur Zeit als Antifaltenmittel in Mode. Für
diese und andere Hormonpräparate liegen noch keine Langzeitstudien
vor. Niemand weiß, welche längerfristige Folgen der Eingriff
in die biochemische Balance des Körpers auslöst. Für
die nächste Zukunft zeichnet sich eine Rückbesinnung auf die
Erfindungen von Mutter Natur ab.
Künftige Innovationen setzen deshalb darauf, den Selbsterneuerungsprozeß
der Haut zu stimulieren, statt ihr lediglich ersatzweise fehlende Substanzen
von außen zuzuführen. Der Schwerpunkt der Forschung liegt
auf Wirkstoffen, die Umweltschäden ausgleichen und sich problemlos
mit den hauteigenen Substanzen verbinden.
Beispielsweise haben Wissenschaftler herausgefunden, daß Bakterien
extreme Temperaturunterschiede und saures Wasser dank raffinierter Abwehrstoffe
überstehen. Einer von ihnen, das Ectoin, soll in Zukunft in Cremes
und Lotionen den menschlichen Hautzellen beim Kampf gegen Umweltstreß
helfen.