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Als ich mit meinen vier Töchtern
vor einiger Zeit Urlaub in einem Feriencamp machte,
hörte ich immer wieder erstaunte Fragen und Komplimente
von Müttern : Was hast du doch für
nette und gut erzogene Kinder, wie machst du das bloß...,
ich komme schon mit einem nicht zurecht?
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Am 7.3.1999 stand in der Berliner Morgenpost
ein Artikel mit der Überschrift:
Die
letzte echte Herausforderung des Mannes
Warum die «neuen Väter» so gern Bücher über
ihren Alltag schreiben
Von Constanze Kleis
Die Verfasserin macht sich darin darüber
lustig, dass Väter, welche sich um Ihre Kinder kümmern,
soviel Gewese darum machen und dieses gar als letzte große
Herausforderung ansehen. Zitat:
Wo alle Achttausender bestiegen sind und
jeder Staubsaugervertreter schon mal beim Bungeejumping oder
Wildwasserrafting war, werden echte Herausforderungen rar. Was
bleibt? Die aktive Vaterschaft. Hier betritt der Mann noch Neuland
und kann sowohl Mut wie auch Heldentum beweisen.
Dies vorangestellt, wage ich es trotzdem, diese
unspektakulären Betrachtungen eines allein erziehenden
Vaters von vier Töchtern zu schreiben.
Obwohl ich den eingangs zitierten Artikel in seiner Aussage
für Unsinn halte (letzte Herausforderung etc.),ist es so,
dass eine allein erziehende Mutter weit weniger Aufmerksamkeit
findet, als ein Mann, der gleiches macht.
Nur die Schlagzeile Mann beißt Hund und nicht
umgekehrt ist von Interesse.
Solange also allein erziehende Väter weitaus seltener sind
als Mütter, wird sich daran auch nichts ändern. Meiner
Meinung nach, würde es weit mehr Männer geben, welche
das Sorgerecht ausüben, wenn sie es denn vor Gericht auch
bekämen. Leider gehen die Familiengerichte fast automatisch
davon aus, dass das Sorgerrecht der Mutter gehört. Nur,
wenn es sehr schwerwiegende Gründe gegen die Erziehungsfähigkeit
der Mutter gibt (z.B. drogensüchtige Prostituierte), oder
sie freiwillig auf das Sorgerecht verzichtet, hat der Vater
eine Chance. Zu meinem Glück sieht das bei Kindern über
12 Jahren anders aus. Hier haben die Kinder ein erhebliches
Mitspracherecht.
Zitat aus der Begründung des Familiengerichtes in meinem
Fall:
....in ihrer Anhörung bei Gericht haben die drei
größeren Töchter sich klar und eindeutig dafür
ausgesprochen, daß dem Vater die elterliche Sorge übertragen
werden solle. Die Übertragung der elterlichen Sorge auf
die Mutter kommt für die Kinder nicht in Betracht.....
Ihr Verhältnis zur Mutter sei .... schlecht. Jetzt wünschen
sie sich vor allem, daß sich die Eltern trennen und sie
allein mit dem Vater im Haus bleiben können. Angesichts
des Alters jedenfalls von (Namen der Kinder)... kommt deren
Willen eine maßgebliche Bedeutung zu. Das Gericht hat
insoweit den Eindruck gewonnen, daß die Kinder durchaus
eigenständig und selbstbewußt wirken. Anzeichen für
eine von der Mutter behauptete massive Einwirkung des Vaters
auf die Kinder waren nicht erkennbar. Jedenfalls kommt eine
Übertragung der elterlichen Sorge auf die Mutter gegen
den erklärten und begründeten Willen der Mädchen
nicht in Betracht.
Wäre unsere Ehe drei Jahre füher in
die Brüche gegangen, hätte ich kaum eine Chance gehabt.
Auf den Internetseiten von Pappa.com
und in der News Group: de.soc.familie.vaeter kann man viele
Beispiele dazu finden, wie es dann üblicherweise in der
Rechtssprechungspraxis der Familiengerichte aussieht.
Meine drei großen Mädchen besuchen ein Gymnasium
(11., 10. und 8. Klasse) und die Jüngste, die 3. Klasse
der Grundschule. Mein Alltag unterscheidet sich wohl kaum von
dem einer alleinerziehenden Mutter. Kleine und große Probleme
lösen, Wäsche waschen, Essen kochen, abwaschen, zu
Elternversammlungen gehen, Arzt Termine vereinbaren usw. Zum
Glück bin ich meistens in der Lage, Fragen zu Hausaufgaben
zu beantworten , bzw. weiß, wo Informationen zu finden
sind.
Als Unsinn, Propaganda oder auch nur Vorurteil
betrachte ich Aussagen wie: Männer eignen sich schlechter
zur Kindererziehung als Frauen.
Eine sehr zwiespältige Meinung habe ich zu manchen sogenannten
Frauenrechtlerinnen oder besser gesagt, sie zu mir. Obwohl ich
mich in vielen Dingen so verhalte, wie sie es immer fordern,
bin ich ihnen als Gegenbeweis für viele ihrer Thesen ein
Dorn im Auge.
Weil nicht sein kann, was nicht sein darf! Wenn sie dann noch
hören, dass ich in einem Streitverfahren der Mutter das
Sorgerecht weggenommen habe, ist es meist ganz aus,
dann ist das Feinbild Mann wieder in Ordnung und
die arme Mutter, welcher man die Kinder weggenommen hat, wird
bedauert.
Wie schon gesagt, bin ich eher der Meinung, dass
die viel diskutierten Unterschiede in den Geschlechterverhalten
eher eine Legende, denn eine Tatsache sind. Die historischen
Wurzeln und ökonomischen Zwänge haben zwar eine Aufteilung
in die bekannten klassischen Geschlechtsrollen verursacht; zwingend
sind sie deshalb aber nicht.
Eine alleinerziehende Nachbarin war sehr erstaunt, als ich ihr
erklärte, dass für mich ein wichtiger Sinn des Lebens
darin besteht, dass meine Kinder einmal später mit Freude
an ihre Kindheit zurückdenken können. (Sie definierte
ihren Lebenssinn mehr in Selbstverwirklichung für sich
selbst, wie Reisen, Hobbies, Feiern usw.; die kleine Tochter
hinderte sie eher dabei)
Am ehesten sehe ich noch einen Unterschied
im Geschlechterverhalten darin, dass Männer eher dazu neigen,
nach einer Niederlage aufzugeben und sich anderen Tätigkeitsfeldern,
z.B. im Beruf zuzuwenden. Über ihre Niederlage im Sorgerecht
wird nicht viel lamentiert. Frauen sind häufiger schlechte
Verliererinnen und verfolgen den Mann mit Haß und Rache.
Strafanzeigen, Denunziationen beim Finanz- oder Arbeitsamt,
zerstochene Autoreifen, Verleumdungs- Anrufe und Schreiben an
gemeinsame Freunde usw., sind alles Dinge, welche viele Männer
erlebt haben. Auch die vielzitierte schlechte Zahlungsmoral
ist keine Männerdomäne. Meine Exgattin zahlte ein
Jahr überhaupt nichts, und erst nach Klage und Urteil bekamen
wir etwas Unterhalt.
Als ich mit meinen vier Töchtern vor einiger
Zeit Urlaub in einem Feriencamp machte, hörte ich immer
wieder erstaunte Fragen und Komplimente von Müttern : Was
hast du doch für nette und gut erzogene Kinder, wie machst
du das bloß..., ich komme schon mit einem nicht zurecht?
Diese Frage kann ich ehrlicherweise nicht erschöpfend
beantworten.
Erstens müßte der alte Psychologenstreit,
Gene oder die Erziehung bzw. in welchem Verhältnis beide
zueinander stehen, diskutiert werden.
Zweitens gibt es kein Patentrezept.
Trotzdem habe ich natürlich ein paar Erziehungsrichtlinien,
welche zumindestens bei meinen Töchtern sehr gut funktionieren.
Klare Grenzen brauchen Kinder um eine Orientierung zu haben
und um im späteren Leben bestehen zu können. Es ist
wichtig, dass ein Kind lernt, dass es nicht alles haben kann,
was es möchte und nicht alles machen kann was es will.
Die Kinder bilden eine Gruppe, in welcher sie sich in großen
Teilen selbst erziehen. Kinder sind viel ehrlicher als Erwachsene
und sagen unverblümt, was sie am Anderen nervt oder freut.
Als Vater greife ich nur ein, wenn bestimmte Grenzen überschritten
werden (z.B. die Großen ihre körperliche Überlegenheit
gegenüber den Kleineren ausspielen) oder sie sich an mich
als Schiedsrichter wenden.
Dies ist, glaube ich, auch die Erklärung dafür, dass
für mich vier Kinder einfacher zu erziehen sind als ein
Kind allein. (Wir waren zu Hause drei Kinder und meine Mutter
hatte sieben Geschwister.) Unser Haus ist offensichtlich auch
ein Anziehungspunkt für andere Kinder und Jugendliche.
Dass Freunde und Freundinnen meiner Töchter lieber zu uns
kommen als umgekehrt, betrachte ich als Kompliment. Acht bis
zehn Kinder bei uns zu Gast, sind keine Seltenheit. Das dabei
das Haus nicht immer wie geleckt aussieht, kann man sich leicht
vorstellen, aber Kinder die sich wohlfühlen, sind mir wichtiger
als ein Meister-Propper- Haushalt.
Interessant ist auch, das meine Kinder so gut wie nie krank
sind. Möglicherweise ist an der sogenannten Urwaldtheorie
etwas dran, die besagt, dass Kinder, welche von allem Schmutz,
Kälte, Wärme etc. hermetisch abgeschirmt werden, wesentlich
häufiger krank werden als Kinder, die im Urwald
aufwachsen.
Wichtige Entscheidung werden bei uns ausgiebig diskutiert.
Im Zweifelsfall wird demokratisch abgestimmt.
Allerdings, im Zweifel halte ich mich an das Zitat von Willi
Brand:
Soweit darf die Demokratie nicht gehen, das darüber
abgestimmt wird, wer der Vater ist.
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