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EGONET.de
Ausgabe 03/1999
Masken und (Ver-)Kleidung
Serie Zeichen der
Persönlichkeit Teil 6: |
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Faschingszeit, Maskenzeit. Der Karnevalsmonat ist vorbei, wir haben die
Verkleidungen wieder abgelegt. Falsch! Auch im Alltag neigen wir Menschen
zur Maskierung. Viele von uns nutzen ihr Outfit, um ihr wahres Ich zu verbergen,
um sich anders zu präsentieren, als sie sind.
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Was ist mein wahres Ich? Niemand weiß es genau, nicht einmal ich selbst.
Die Psychologie unterscheidet drei Arten von Wissen über das Ich:
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das Selbstbild: es ist die Summe dessen, was ich glaube, wie ich bin;
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die Fremdbilder: das sind die Auffassungen meiner Freunde, Bekannten, Kollegen
usw. über mich;
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mein Idealbild: es enthält meine Wünsche, wie ich gern sein
möchte.
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Das wahre Ich liegt meistens irgendwo dazwischen. Was die Suche nach der
wirklichen Persönlichkeit erschwert: wie groß die Abweichungen
sind, hängt wiederum von den Eigenschaften der gleichen Persönlichkeit
ab, die es zu beurteilen gilt. Wenn die drei Bilder sich stark
voneinander unterscheiden, ist meine Selbstakzeptanz gering. Das bedeutet,
in meine Selbstbeurteilung gehen einerseits viele Illusionen, andererseits
übertrieben negative Einschätzungen ein. Die Folge: meine Freunde
sehen mich nüchterner als ich selbst. Und mein Idealbild ist viel
schöner als mein Selbstbild.
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Wie stark sich jemand akzeptiert oder umgekehrt: wie gern man ein
anderer wäre verraten Kleidungsstil, Kosmetik und Frisur einer
Person.
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Wir haben grundsätzlich die Wahl, ob wir unser naturgegebenes
Äußeres durch Kleidung verstärken oder lieber verändern
wollen. Wer sich so mag, wie er ist also über eine hohe
Selbstakzeptanz verfügt bei dem bilden Körper und Kleidung
eine Einheit. Wer lieber jemand anderes wäre, wird versuchen, wenigstens
äußerlich seinem Ideal zu ähneln. In der Hoffnung, daß
die anderen ihn dann so sehen, wie er selbst gern sein möchte: als
Westernheld in Lederjeans und Cowboystiefeln, als Frau mit erotischer
Ausstrahlung in engen Kleidern und bemaltem Gesicht oder als Frauenheld mit
schwarz gefärbtem Haar, offenem Hemd und Goldkettchen.
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Wer sich so maskiert, präsentiert nicht seine Persönlichkeit, sondern
einen Typ. Die Individualität geht verloren, die Kleidung wird zu einer
Art Uniform. Die Wirkung auf die Betrachter ist meist eine ganz andere als
beabsichtigt. Der Mann in den Cowboystiefeln, der sich statt im Indianerfilm
im Bus zum Hauptbahnhof bewegt, verbreitet nicht den Eindruck von Weite und
Abenteuer, sondern von innerer Unsicherheit. Die folgende Tabelle bringt
einige Beispiele von Alltagsuniformen und was der kritische Betrachter sich
dabei denkt.
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| Baseballkappe
verkehrtherum, T-Shirt mit amerikanischen Abkürzungen |
Er
hat Schwierigkeiten mit dem Erwachsenwerden, der Ärmste! |
| Schnürstiefel,
Militärhose und -jacke |
Die
sollten erst mal dienen, die grünen Jungs! |
| blaue
Jeans aus dem Sonderangebot, grüne Windjacke, unbedrucktes T-Shirt,
Turnschuhe, Plastiktüte |
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Hat ein Haus und ein
Auto abzuzahlen.
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Oder: Leute?
Ich sehe keine Leute.
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| Goldkettchen,
T-Shirt mit sexuellen Anspielungen |
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Auch Single und vergeblich
auf Kontaktanzeigen geantwortet?
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Oder: Ich war
auch auf Mallorca und kenne den Laden, der das Zeug verkauft.
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| Schmal
geschnittener marineblauer Anzug, weißes Hemd, dunkle Krawatte mit
glänzender Krawattennadel |
Ich
habe zwar keine Job, aber ich darf wenigstens anziehen, was ich will. |
| Jeans,
Parka, Zottelbart, Ohrring, langer Pferdeschwanz |
Rück
mal ein Stück, Katrin. Ich bin meine Läuse von Woodstock seit
dreißig Jahren wieder los. |
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Ist ein bestimmter Typ (Femme fatale, Ökofreak, Latin Lover, Porschefahrer
usw.) auf den ersten Blick zu erkennen, dürfen Sie getrost auf eine
ungefestigte Persönlichkeit schließen, die in ihrem
Äußeren ihr Idealbild nachzugestalten versucht.
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Bei allen übrigen fragen Sie sich zuerst: wirken Person und Outfit stimmig?
Dazu vergleichen Sie das Aussehen mit dem Verhalten. Wenn das Benehmen zum
Äußeren paßt - wenn die Person also wie aus einem Guß
wirkt können Sie auf eine hohe Selbstakzeptanz, also auf ein
realistisches Selbstbild schließen. Die betreffende Person mag sich
im großen und ganzen so wie sie ist und kennt ihre Stärken und
Schwächen genau.
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Das Spektrum ist dennoch weit gefächert. Da sind einmal die Leute mit
einem eher unauffälligen Kleidungsstil, die sich auch unauffällig
benehmen, aber zumindest auf den zweiten Blick recht sympathisch wirken.
In ihrem Weltbild spielen Kleidung und Kosmetik keine wichtige Rolle. Sie
sind nicht eitel und auch nicht von Berufs wegen gezwungen, allzuviel Sorgfalt
auf ihr Äußeres zu verwenden. Sie tragen weder den neuesten Schrei
der Mode, noch hinken sie ihm allzusehr hinterher.
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Am anderen Ende der Skala bewegen sich die Outfit-Künstler. Wer viel
Zeit in Modegeschäften und vor dem heimischen Spiegel verbringt, um
seinen individuellen Stil zu gestalten, trägt eine gehörige Portion
Eitelkeit in sich. Manchmal erfordert der Beruf diese Sorgfalt; das trifft
für alle zu, die einen Öffentlichkeitsberuf ausüben. Gefestigte
Charaktere wissen um ihre Eitelkeit und stehen dazu. Das zeigt sich im
Äußeren darin, daß das Ergebnis ihrer Gestaltungskunst ihre
Individualität hervorhebt. Es entsteht keine Kopie von Claudia Schiffer
oder Antonio Banderas. Sondern das Selbstbild der Person erhält eine
gelungene äußere Präsentation.
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Der Betrachter ahnt nur selten die Arbeit, die dahinter steckt. Es gilt nicht
nur, in Mode- und Kosmetikfragen immer auf dem Laufenden zu sein. Man muß
auch herausfinden, was aus dem aktuellen Angebot das Ich unterstreicht und
was nicht.
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Falls Sie selbst Ihr Outfit für verbesserungswürdig halten
wie finden Sie heraus, was zu Ihnen paßt? Sie können sich
natürlich eine Beratung bei einem Stylisten leisten. Das ist nicht ganz
billig. Oder Sie gehen folgendermaßen vor:
- Überlegen Sie zuerst,
welche Menschen Sie mit Ihrem Äußeren von sich überzeugen
wollen. Allen gefallen wollen ist eine Kunst, die nicht einmal Claudia
Schiffer oder Michael Jackson gelingt. Der Stil der Typus,
den Sie verkörpern hängt von dieser Entscheidung
ab. Die Menschen, an deren Stil Sie sich anlehnen, werden Sie als
einen der Ihren erkennen die unabdingbare Voraussetzung für
jeden weiteren Kontakt. Nun machen Sie sich Gedanken, mit welchen
Details Sie im Rahmen des gewählten Stils Ihre Einzigartigkeit
unterstreichen, und zwar so, daß die anderen neugierig werden,
Sie kennenzulernen. Dafür benötigen Sie eine realistische
Selbsteinschätzung und Phantasie in der Umsetzung.
- Halten Sie sich
für kooperativ, erfahren, dominant, jugendlich, freundlich,
weltgewandt, liebenswürdig, cool, professionell, kompetent,
gebildet, dynamisch, effizient, erfolgreich, diszipliniert, mächtig,
verläßlich, kreativ, ehrgeizig, arbeitsam, gut organisiert,
charmant? Wählen Sie drei derartige Adjektive aus, die Sie
am besten charakterisieren nicht mehr. Und nehmen Sie solche,
die wirklich auf Sie zutreffen, nicht solche, mit denen Sie sich
gern schmücken möchten. Bedenken Sie auch, daß einige
einander ausschließen. Wenn Sie sich etwa als kooperativ und
zugleich dominant charakterisiert haben, sollten Sie noch einmal
gründlich nachdenken. Und gute Freunde fragen, ob Sie Ihrer
Selbsteinschätzung zustimmen. Stellen Sie sich vor, Sie treffen
an einem Urlaubsort einen Fremden und unterhalten sich zwei Minuten.
Würde er Sie mit genau den drei von Ihnen gewählten Worten
beschreiben?
- Überlegen Sie
nun, wie ein Mensch gekleidet sein müßte, damit man diese
drei Eigenschaften sofort an ihm erkennt. Fragen Sie auch andere
um Rat. Diese drei Eigenschaften sollten als Ihre Stärken erkennbar
werden. Wenn Ihnen das gelingt, besitzen Sie ein stimmiges Image,
das Vertrauen schafft. Falls Sie jedoch mehr auf Ihr Wunsch-Ich
als Ihr reales Sein gehört haben, werden Sie Schwierigkeiten
bekommen, andere von sich zu überzeugen. Ein falsches Image
bricht schnell zusammen. Ein echtes Image hat dagegen positive Auswirkungen
auf Sie selbst: Andere Leute akzeptieren Sie, wie Sie wirklich sind.
Das liefert Ihnen die Selbstbestätigung, die Sie benötigen,
um selbstsicher aufzutreten und Ihre Pläne erfolgreich umzusetzen.
- Für den Kauf
der Kleidung sind eine Reihe von Regeln wichtig, die immer wieder
in Illustrierten, aber auch Sachbüchern genau dargestellt werden.
Sie betreffen vor allem Schnitte und Farben.
- Für die Farbwahl
sind die natürlichen Farben der Haut, der Augen und der Haaren
entscheidend. Zwei Kriterien bestimmen die Wahl. Wirken die Körperfarben
zart, transparent oder kräftig? Haben Sie einen warmen oder
eher einen kühlen Unterton? Nach der Kombination dieser Kriterien
ergeben sich vier mögliche Farbtypen:
- Frühlingstyp
(zart, warm) Haut und Haare hell mit goldigem Schimmer. Neigung
zu Sommersprossen.
- Sommertyp (zart,
kühl) Haut hell, rosig. Haare hell bis mittel mit Aschton.
- Herbsttyp (kräftig,
warm) Haut und Haare kräftigen mit Gold-, Braun- und Rottönen.
- Wintertyp (kräftig,
kühl). Haare dunkel, früh ergrauend, Haut blaß oder
braun.
- Die Kleidungsfarben
sollten den Körperfarben entsprechen. Kontrastreiche Farben
(zum Beispiel schwarzer Anzug, schneeweißes Hemd) kleiden
nur den Wintertyp. Goldschmuck paßt zum Frühlings- und
Herbsttyp. Silberschmuck zum Sommer- und Wintertyp. Zu jedem Typ
gehört eine Palette passender Farben, die den Kleider- und
Kosmetikkauf erleichtert.
- Schnitte sollen
im Gegensatz dazu, Körpereigenheiten nicht verstärken,
sondern ausgleichen. Wer einen dicken Bauch oder ein dickes Gesäß
hat, wird eine Kleidung wählen, die nicht diese Körperpartien
betonen, sondern die Schultern oder die Beine.
- Eine Körperpartie
betonen: auffällige Muster, aufgesetzte Applikationen (z. B.
Taschen), enganliegende Kleidung.
- Von einer ungünstigen
Körperpartie lenken ab: einfarbige, dunkle Stoffe, locker sitzende
Kleidung, einfache Schnitte.
- Dafür einige
Beispiele: aufgenähte Taschen im Brustbereich vergrößern
die Brust. Enge Kleidung macht nicht schlank, sondern hebt jedes
Fettpölsterchen hervor. Umgeschlagene Beinenden der Hose lassen
Beine kürzer wirken. Bei einer hellen Jacke zu dunkler Hose
wirkt der Oberkörper größer, bei dunkler Jacke zu
heller Hose wirken die Beine länger. Ein Minirock verlängert
optisch die Beine vorausgesetzt, sie sind schlank. Miniröcke
kleiden deshalb vor allem kleine, schlanke Frauen.
- Make-up erfüllt
für viele Frauen die Funktion einer Maske. Die Grundierung
verbirgt Unregelmäßigkeiten und erste Alterszeichen der
Gesichtshaut. Die darüber aufgetragenen Farben können
noch mehr. Je nachdem, wie der Farbstrich gesetzt wird, verändern
sich die Gesichtskonturen.
- Mancher Mann entscheidet
sich aus dem gleiche Grund für einen Bart. Nicht selten hört
man Begründungen wie Ohne würde ich mich nackt fühlen.
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- Falls Sie Lust bekommen
haben, selbst einmal Ihr Outfit nach allen Regeln der Kunst zu gestalten,
reichen die Hinweise dieses kurzen Artikels nicht aus. Für
Frauen erscheinen jeden Monat neue Bücher. Wir nennen hier
nur zwei bewährte Werke:
- Meir, Gerhard/ Seeling,
Charlotte: Richtig schön. Mit Tips von Profis und Prominenten.
mvg München, Landsberg am Lech 1995.
- Schürmann,
Petra: Das große Buch der Kosmetik und Körperpflege.
Naturalis München, Mönchengladbach 1981.
- Für Männer
ist die Auswahl gering. Seit einigen Monaten ist ein Standardwerk
im Handel, das wir schon in EGONet 11-12/1998 vorgestellt haben:
- Koch,
René / Naumann, Frank: Mann, bist du schön! Was
uns attraktiv, erfolgreich und begehrenswert macht. Verlag Gesundheit
Berlin 1998.
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